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Freitag, 12. April 2019

Strukturen mit Tape

von Christine Läubli


Zurzeit beschäftige ich mich wiederholt mit dem Thema «Strukturen» (siehe auch
https://tafch.blogspot.com/2019/02/struktur-textur.html). Ausserdem fasziniert mich die künstlerische Verwendung des Maler-, Krepp- oder Abdeckbandes, das Handwerker dazu verwenden, Ränder und Flächen abzukleben. Das Tape eignet sich zum Beispiel sehr gut dazu, Skulpturen zu formen. Vielleicht könnte ich mit ihm auch Strukturen gestalten?

Das Band gibt es in verschiedenen Breiten, Qualitäten und sogar Farben. Ich verwende ein gewöhnliches, billiges Kreppband aus dem Baumarkt – es ist weicher und klebriger als das teure aus dem Bürobedarf-Geschäft.

Das Band ist eine Art Faden, allerdings von äusserst klebriger Beschaffenheit. So kann man zwar textile Techniken ausprobieren, aber es sind dabei Grenzen gesetzt – die man natürlich zu überschreiten versucht.

Man kann exakt arbeiten oder aber das Ungefähre zulassen. Man kann breite oder schmale Bänder kombinieren, lange oder kurze Stücke nehmen, in der Fläche bleiben oder ins Dreidimensionale gehen. Ich schneide, reisse, knäule, falte, wickle, rolle, verdrehe ... Schön sind die Licht- und Schattenspiele, die entstehen. Beim Tun fallen mir noch weitere Möglichkeiten und Experimente ein – wohin mich mein Tape-Strukturen-Weg weiterhin führen wird, ist noch offen.
















Freitag, 8. Februar 2019

Struktur - Textur



von Christine Läubli (Text und Fotos)


Im Deutschen verwenden wir die beiden Gestaltungselemente «Struktur» und «Textur» oft als Synonyme. In vielen Sprachen wird aber feiner unterschieden. Dass sie durchaus nicht dasselbe meinen, wird klarer, wenn man ihre Herkunft studiert.



Struktur


In meinem etymologischen Wörterbuch lese ich, dass das lateinische structura «ordentliches Zusammenfügen, Ordnung, Bauart, Bauwerk» bedeutet. Daraus entwickelte sich das Verb stuere, das «schichtweise nebeneinanderlegen, aufschichten, errichten, ordnen» meinte. Es geht also um «Aufbau» und «Ordnung» – auch im übertragenen Sinn.
Im Mittelhochdeutschen des 13. Jahrhunderts bedeutete structure die Bauart oder Bauweise eines Gebäudes, im Neuhochdeutschen des 16. Jahrhunderts hiess das Wort dann schon struktur, das für «Grundlage, innerer Aufbau, Gefüge aus voneinander abhängigen Teilen» verwendet wurde. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es das Verb strukturieren im Sinne von «eine Struktur besitzen, gliedern»1.


Textur


Mit der Wortgeschichte von «Text» hat sich der Altphilologe Klaus Bartels beschäftigt. texere heisst lateinisch weben, flechten, das Partizip Perfekt Passiv textus ist demnach gewoben und geflochten. Offenbar mahnte der Vorgang des Denkens an ein Gewebe aus Kette und Schuss, so dass die Römer den Begriff bald einmal auf das Gedankengebilde übertrugen. Der Webermeister Marcus Tullius Cicero verwendete das Wort texere im 1. Jahrhundert vor Christus als erster in Zusammenhang mit Schrift. Hundert Jahre später findet man textus schon für ein fortlaufendes Gedankengefüge. Seither verstehen wir unter text alles Geschriebene schlechthin, und eine Erinnerung an die Webarbeit finden wir nur noch in den textilien.

In der Gestaltung hat sich textur als Begriff für eine Oberflächenbeschaffenheit eingebürgert, nicht nur in der Kunst oder dem Textildesign, sondern auch in der Computergrafik.

Unterschied Struktur und Textur


Zusammenfassend können wir also sagen, dass im Unterschied zur Struktur, die den grundsätzlichen Aufbau und die Anordnung der Teile in einem Objekt benennt, die Textur an der Oberfläche bleibt und deren Beschaffenheit, zum Beilspiel die Zeichnung oder Schrift auf derselben beschreibt.


Quellen:

1Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, erarbeitet unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer, Deutscher Taschenbuch Verlag
2Klaus Bartels, «Text», Stichworte, NZZ 28. 4. 2015
https://de.wikipedia.org/wiki/Textur


Welchem der beiden Begriffe würden Sie die folgenden Bilder zuordnen