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Freitag, 8. Januar 2021

Hella Jongerius – Breathing Colour

 So 29.11.20 – Mo 24.05.21 


Text: Christine Läubli 

Die niederländische Designerin Hella Jongerius ist für ihre Auseinandersetzung mit Farben und Materialien international bekannt. «Breathing Colour» zeigt raumgreifende Installationen, mit denen die Designerin die Wirkung und Wahrnehmung von Farbigkeiten erforscht. Nach Stationen in London, Rotterdam und Stockholm kommt ist diese einzigartige Ausstellung zurzeit im Gewerbemuseum Winterthur (Schweiz) zu sehen. 

Hella Jongerius im Jongeriuslab Studio Berlin, Foto: Roel van Tour


Wie beeinflusst das Licht die Farben? Mit dieser Frage beschäftigt sich Hella Jongerius seit rund 10 Jahren. Ihre Antworten präsentiert sie in dieser Ausstellung auf eindrückliche Weise. Die Forschungen gehen weit über die bekannten Farbsysteme hinaus und lassen den Farben Raum zum Atmen.

Einladungskartenmotiv, Foto: Roel van Tour


Unterteilt ist die Ausstellung in die Tageszeiten, welche die Saaltexte poetisch beschreiben. Im ersten Saal «erwacht» man mit dem Morgen. Die Farben sind hell und frisch, die Materialien fein, transparent. Die anfänglich warmen Töne der Morgendämmerung werden nun kristallklar und kalt. 

Blick in die Ausstellung, Foto: Bernd Grundmann


Der Mittag schliesst sich an – nun werden die Schatten hart und deutlich, die starken Kontraste fast schneidend, die markanten Farben sind aber auch voller Energie. 

Morgen: Hella Jongerius im Jongeriuslab Studio Berlin, Foto: Roel van Tour

Im letzten Saal wird es Abend und Nacht: Die allmählich einsetzende Dunkelheit mischt zunehmend Schwarz in die Farben, diese werden weich, gedämpft, die Konturen verwischen.

Mittag, Foto: Bernd Grundmann

In einem kleinen Film begleitet man eine rote Kugel durch den 24stündigen Tagesablauf. Hier zeigt sich noch einmal ganz deutlich, wie sich das Rot je nach Licht und Tageszeit signifikant ändert.

Abend, Foto: Bernd Grundmann

Im mittleren Saal untersucht Hella Jongerius, wie eine kalte, metallene Oberfläche die Farben reflektiert. Erstaunlich, wie dreidimensionale uni Flächen aus der Ferne zweidimensional und mehrfarbig wirken!

Farbforschungen, Foto: Christine Läubli


Verdeutlicht werden diese Phänomene durch «Colour Catcher», «Farbfänger», eine Art Körbe, die Licht, Schatten und Farben auffangen und reflektieren. Die facettierten Fänger stehen und liegen auf farbigen Platten. Sich bewegende Lichtquellen umkreisen sie langsam und zeigen, wie sich die Farben auf den Platten mit dem Schatten ändern, wie sie sich immer neu und phantastisch mischen. In der Ruhe, die es braucht, um kleinste Nuancen wahrzunehmen, gelangt man in eine meditative Welt der Stille und des Glücks.

Farbe auf Metall, Blick in den mittleren Saal, Foto: Bernd Grundmann


Origami: Die gleiche Farbe wirkt je nach Lichteinfall unterschiedlich, Foto: Christine Läubli


Die Lichtfänger werden durch Gewebe ergänzt, welche die Farben von Morgen, Mittag und Abend gestalten. Ausserdem verdeutlichen ganz kleine Stoffmuster, wie sich das Licht je nach Gewebestruktur unterschiedlich bricht; sie bezeugen die immense Forschungsarbeit, die hinter Hella Jongerius’ Werken steht. 


Farbfänger, Foto: Bernd Grundmann


Ein Begrüssungsvideo und ein Dokumentarfilm zeigen, wie die Designerin denkt, forscht und arbeitet.
1993 gründete Hella Jongerius ihr eigenes Studio: Jongeriuslab. Zu ihren Auftraggebern zählen unter vielen anderen das niederländische Designkollektiv Droog, die Fluggesellschaft KLM Royal Dutch Airlines, der US-amerikanische Textilhersteller Maharam und die Designfirmen Vitra und Artek. Gleichzeitig waren ihre Werke in internationalen Museen und Galerien ausgestellt, wie zum Beispiel im MoMA in New York oder in der Galerie Kreo in Paris. «Breathing Colour» wurde in Zusammenarbeit mit dem Design Museum London entwickelt.


Gewebemuster, Foto: Christine Läubli

gewebte Farbstimmung, Foto: Christine Läubli


Hella Jongerius:
«Mit dieser Ausstellung habe ich versucht, das volle Potenzial von Farbe zu offenbaren und zu zeigen, wie das Licht Farben atmen und lebendig werden lässt. Sie soll uns Farbe hinterfragen lassen – einen der elementarsten Aspekte von Design. Mein ultimatives Ziel ist es, die Macht der Farbe gegen die Macht der Form antreten zu lassen.» 


Farbfänger auf farbigen Platten, Foto: Christine Läubli


Hella Jongerius:
«Ich rebelliere gegen die Eintönigkeit der Farbindustrie. Ich vermisse den Schuss Rot in den industriellen Rezepten für Grün. Er verleiht der Farbe ihre Intensität, ihr Leben. Ich vermisse Farben, die mit dem Wechselspiel des Lichts atmen. Ich vermisse die Wandelbarkeit, die Optionen, die es uns erlauben, eine industriell produzierte Farbe zu deuten und umzudeuten, so wie wir ein Kunstwerk umdeuten.»

Morgenstimmung, Blick in die Ausstellung, Foto: Bernd Grundmann


Hella Jongerius:
«Ebenso wie Licht Farben atmen lässt, erzeugt es auch Schatten. Dies ist ein wichtiger und faszinierender Teil meiner Farbforschung geworden. Ohne Schatten wären die Objekte nackt. Schatten sind die Projektion von Objekten, die ihre Position im Raum kennzeichnen.»


Hella Jongerius im Jongeriuslab Studio Berlin, Foto: Roel van Tour


Informationen:
Gewerbemuseum Winterthur, Kirchplatz 14, CH-8400 Winterthur
Die Ausstellung dauert bis zum 24. Mai 2021 und wird von einem reichen Veranstaltungsangebot begleitet.
Leider muss sie wegen Covid bis am 22. Januar geschlossen bleiben.
www.gewerbemuseum.ch
































Freitag, 18. Dezember 2020

Weihnachtswünsche


Das Jahr 2020 ist ein wenig aus der Reihe getanzt und hat nicht nur uns einiges Kopfzerbrechen verursacht.

Ein bisschen Wehmut steckt trotzdem im Jahresende, aber wir dürfen mit Stolz zurückblicken. 

Mit viel Engagement und Leidenschaft haben wir Teximus 3 durchgeführt und eine Zeit gemeistert, die es so noch nie gab.

Wir danken für euer Vertrauen und wünschen allen besinnliche Festtage und hoffen auf ein neues, mit Kreativität gefülltes Jahr.


Euer TAFch Team




Mittwoch, 11. November 2020

Gästeblog Sabina Schwaar

 von Ursula Suter

An der Ausstellung Teximus 3 in der Altstadthalle in Zug wurde Sabina Schwaar Gewinnerin des Juriepreises.

Mit diesem Blog stellt sie ihr Werk  "GEFANGEN", ein 3-teiliger Ausstellungsvorschlag, vor


WERK GEFANGEN

 Teil C Horizont X 41 Boxen zu einem X gestaltet an der Wand oder auf dem Boden

Acrylglasrahmen 650 x 650mm x 180mm Innenmass mit Spiegelrückwand (Gewicht 14 kg) 93 Pusteblumen / rotes Polstereigarn / Buchbinderkleister Goldpigment / Acrylbinder / Gesso weiss rotes Häkelgarn 

Detailansicht  Pusteblume

Spiegel

ARBEITSPROZESS

Dem Informationsüberfluss zu Corona und Covid 19 entfliehend, versuchte ich meine Gedanken in der Natur zu befreien. Doch da waren sie wieder diese Kugeln, die Pusteblumen des verblühten Löwenzahns, im Aussehen und Verhalten wie Corona. Fehlende Physische Distanz lässt die Schirme fliegen und sich völlig ungehindert verbreiten. Penetrant standen sie da, Tag für Tag! Wegschauen und wegdenken ging nicht. Gefangen im Thema! 

Mit diesem hochvirulenten Naturmaterial wollte ich arbeiten: Mich den Lockdown – Bedingungen stellen und mit diesen in einen künstlerischen Prozess eintauchen. Die Arbeitsweise mit den Pusteblumen spiegelt die Gefahr der Ausbreitung .Höchste Sorgfalt war gefragt. Auf allen Ebenen wollte ich mit dem Istzustand gehen und dem Material arbeiten, das ich bereits im Atelier hatte oder ich mir einfach im Lebensmittelmarkt holen konnte. Keine Bestellung beim überlasteten Onlinehändler sondern aus dem Moment und aus den Gegebenheiten heraus arbeiten. Ich liess mich durch die aktuellen Bedingungen führen. 

Die erste grosse Hürde war die «Coronas» vom Feld im offenen Zustand (volle Ausbreitungsgefahr) zu pflücken und mit Haarspray zu fixieren. Den Trick, die verblühten Löwenzahnblumen zu schneiden und zu warten bis sie aufgehen, zu Nutze zu machen. In meiner Sorgfalt lag der Schlüssel, ob sich die Pusteblumen ausbreiten oder nicht. Verantwortungsvolles bewusstes Arbeiten war gefordert. Für den Transport und die sichere Aufbewahrung der Pusteblumen steckte ich diese in Reagenzgläser und die wiederum in einen feinen Maschenzaun, den ich über Kisten gespannt hatte. Auf diese Weise war der Abstand gewährleistet.

 – Corona einfangen in einer Form ohne Anfang und ohne Ende ein zu schliessen – Der Kreis drängt sich auf, zwei Kreise werden daraus. Symbol für die parallelen Bedingungen im sozialen Leben. Die Kreisformen, die mir vorschwebten, musste ich auf einen Träger bringen. Zur Verfügung hatte ich nur grosse Bogen von festerem Zeichnungspapier. Schicht um Schicht trug ich goldene Pigmentfarbe (Gold als Symbolfarbe für Sieg, Corona die Krone) auf, bis eine Stabilität als Träger für die Arbeit gegeben war. Das bewegliche Papier liess ein Aufkleben der Pusteblumen nicht zu. Sie würden bei der kleinsten Bewegung auseinanderbrechen und sich ausbreiten. Die Stempel auf das Papier zu nähen, schien mir eine passende Lösung. Dies ging jedoch nur, wenn ich es schaffte, die Haube der Pusteblume vom Stempel zu lösen. Allerhöchste Sorgfalt war gefragt! 

Jede Haube muss wieder ihren Stempel finden, Sicherheit, Ordnung, keine Vermischung, kein Pfusch darf passieren. Ein laborartiger strukturierter Arbeitsteil beginnt. Es mir sehr wichtig diesen einzuhalten, damit keine Schlamperei, im übertragenen Sinn eine Veränderung der Zusammensetzung des «Coronakörpers» entsteht. 

Roter Faden/Garn für Corona, die unsere Zeit prägt und bestimmt. Ich verwende den Faden als Kreuz und bringe so das Rote Kreuz ins Spiel. Im Aussen war es schon längst gefordert und ist ein Symbol für die Pflege im Allgemeinen. Ein weiterer Aspekt, ein persönlicher wird mit dem Kreuz angedeutet. Es ist mein inneres Ringen, ob ich mich mit meiner Pflegeausbildung im Spital melden sollte oder nicht. Seit Jahrzehnten weg von der Pflegeerschien mir meine aktive Präsenz für Botengänge in der Nachbarschaft dienlicher und dennoch spürte ich die Verbundenheit zur Pflege und die Achtung und den Respekt für die ausserordentliche Leistung der Menschen mittendrin.

 Seite 5 / Teil A 4 Das Aufnähen der Stempel stellte sich als leichtere Aufgabe heraus. Die 186 Fäden knüpfe ich in ein gehäkeltes X auf der Rückseite. X als die grosse unbekannte Komponente. Bei allen Informationen und Theorien wissen wir nicht mit Gewissheit warum, wieso, woher dieses Virus kommt. Es ist da und wir müssen damit lernen umzugehen und damit zu leben. 

Die ganze Arbeit wurde in einen fixen Acrylglasrahmen montiert mit einem Spiegel als Rückwand, worin sich das rote in den Fäden aufgespannte X spiegelt und sich so multipliziert wie auch die Fragen im Raum rund um Corona

FOTODOKUMENTATION WORK IN PROGRESS
.

11 Fotos 35 x 25 cm auf 280 g Laser weiss satiniert mondo color copy 

Die Fotoaufnahmen stammen von Michael Klauser, Oberentfelden und Sabina Schwaar.  

Die Fotos möchte ich als Gruppe nur mit Klemmklammern mit unterschiedlichen Abständen, wie eine Posterwand hängen. Sie sollen keinen Lehrbuchcharakter haben sondern Stationen der Arbeit aufzeigen und auf den Betrachter wirken und ihn bewegen. Er darf selber aktiv die chronologische Abfolge der Arbeitsprozesse suchen und sich auf diese Weise in den Prozess dieser Arbeit integrieren. Er erlebt und arbeitet quasi mit, wird zum Mitgestalter vom Werk GEFANGEN. Es entsteht eine Rückkopplung zum Titel. Durch Corona sind wir alle in der einen oder anderen Form gefangen.


Lösen der Haube vom Stempel


Stempel präparieren zum Besticken


Zuordnung


Stickarbeit


Stickmaterial


Annähen der Stempel

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Fertige Näharbeit


Rückseite X einknüpfen

Aufkleben der Hauben zu den zugehörigen Stempeln


HORIZONT X

Horizont X besteht aus 41 identischen Acrylglasboxen 10 x 10 cm Innen und 10 cm Aussen mit einer Spiegelrückwand. 

Pusteblume / rotes Polstereigarn / Buchbinderkleister / Goldpigment / Acrylbinder / Zeichnungspapier 

41 Boxen stehen für die 41 Tage bis zu den ersten Lockerungen. In den Boxen befindet sich jeweils eine bestickte Pusteblume auf demselben Goldpapier wie das Werk gefangen mit rot gestickter Horizontlinie die aus den Pusteblumen hervorgeht.

Corona wird zum Horizont und bestimmt unser Leben. X das Ungewisse und das Unbekannte. 

Die Boxen werden in einer X - Form an die Wand montiert oder als Bodeninstallation aufgestellt. Die Installation braucht eine Fläche von 310 x 210 cm. 

Bodenversion hätte eine grössere Wirkung auf den Betrachter, da er sich nochmals in den Lockdown-Raum begeben könnte. 




Alle Werke sind verkäuflich. Preis auf Anfrage bei der Kunstlerin. www.sabinaschwaar.ch

Mittwoch, 7. Oktober 2020

TEXIMUS 3, MASKENPFLICHT KANTON ZUG


wir weisen darauf hin dass ab Samstag 10. Oktober 2020 Maskenpflicht im KANTON ZUG  herrscht. Wir bitten deshalb alle Besucher der TEXIMUS 3 Ausstellung bitte mit Maske zu kommen.



offizielle Seite Gesundheitsdirektion Kanton Zug

https://www.zg.ch/behoerden/gesundheitsdirektion/amt-fuer-gesundheit/corona



Dienstag, 22. September 2020

christine läubli: zeiten – schichten – schriften

ge-schichten 2019


Text: 
Christine Läubli
Photos: Urs Müller


Vom 28. August bis zum 12. September 2020 stellte ich in den Kellerräumen des Bauhofes Winterthur (Schweiz) aus. 
Die Gewölbe stammen aus dem Mittelalter, ein Mauerwerk kann auf das 12. Jahrhundert datiert werden. Immer wieder sind hier neue Schichten aufgetragen worden, so dass die Wände und Balken eine Vielzahl an Geschichten enthalten und die archaischen Räume hervorragend zu meinen Werken passten.

Die Leidenschaft für Geschichten und Texte begleitet mich durchs Leben. Einerseits bin ich eine unersättliche Leserin und liebe die Literatur, andrerseits schreibe ich selber gern. Fasziniert vom Zusammenhang von «Textil» und «Text», habe ich mich während längerer Zeit mit den Themen «Schrift», «Schicht»; «Zeit» beschäftigt. Viele Werke bestehen aus verschiedenen Schichten, manche sind beschriftet. Die Geschichten zwischen den Zeilen und Schichten fanden die BesucherInnen selber, wenn sie beim Betrachten ihre eigenen Erfahrungen und Erinnerungen mit einfliessen liessen.


Blick in die Ausstellung


im netz, 2020

beziehung, 2013

lesestoffe, 2018

fragmente, 2019

 detail fragmente, 2019

we are our own story, 2018

detail we are our own story, 2018

das flüstern der stalaktiten, 2020

Blick in die Ausstellung

konzepte, 2018

detail konzepte, 2018

palimpsest, 2019

zerlesen, 2018



aufbewahren und news von gestern, 2016


gepresst in die zeit, 2019

bruchspuren, 2008