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Donnerstag, 26. August 2021

NEUER BLOG

 

Liebe TAFch Freunde,




wie wir bereits im Juni informiert hatten wurde im Juli der Mailinglistedienst von Feedburner für unseren Blog auf Blogger.com eingestellt.

Nach verschiedenen Abklärungen haben wir uns entschieden unseren Blog künftig über die Homepage zu führen. Alle älteren Blogposts werden via link auf Blogger erhalten bleiben und weiterhin einsichtbar sein.

Um sich für den neuen Blog zu abonnieren müsst Ihr euch neu einschreiben da wir aus Datenschutz gründen eure Adressen nicht einfach überführen dürfen. Dies geht ganz einfach: geht auf unsere homepage https://www.tafch.ch dann auf BLOG und dann einfach sich einschreiben.


Hier ist bereits der erste Beitrag zu finden:

https://www.tafch.ch/post/gestricke


Freitag, 2. Juli 2021

gedankenwaldgewächse

Land Art Pfad in Engelberg, Schweiz

14. Juni bis 30. Oktober 2021 
im Hungerbodenwald auf der Gerschnialp

Text und Fotos: Christine Läubli




Die Gerschnialp ist von Engelberg aus mit einer nostalgischen Standseilbahn zu erreichen. Die Bergstation grenzt an den Hungerbodenwald, einem mystischen Ort: Betritt man ihn, meint man, sich in einem Märchen zu befinden. Der Land Art Pfad 2021 führt über zwei Kilometer und zehn Installationen; eines der Werke durfte ich selber aufbauen.


im Hungerbodenwald


Schon von weitem leuchten meine «gedankenwaldgewächse» durch die Stämme: Auf dicken Ästen stecken Knäuel aus pflanzengefärbter Wolle. Scheint die Sonne, leuchten die Farben noch stärker. Insekten schwirren heran und fragen sich wohl, wie die seltsamen Pflanzen hierher kamen und was sie hier sollen …





Während der Vorbereitung und Entwicklung der Installation suchte ich ein «Bild» für mein Märchengefühl. Seit langem spielen Märchen in meinem Leben eine wichtige Rolle. Immer wieder beschäftige ich mich mit ihnen, lese sie und über sie, mehrfach besuchte ich Kurse und Workshops. Märchen sind voller Lebensweisheit und Symbole. 
Auf den ersten Blick langweilige Tätigkeiten wie das Zählen von Linsen, die Arbeit in der Küche oder bei einem Köhler, das Hüten von Schafe oder Gänse, tauchen im Märchen immer dann auf, wenn die Protagonisten Raum brauchen, um zu reflektieren, sich selber zu finden und an ihrer Aufgabe zu wachsen. Dies benötigt Zeit, oft sieben Jahre, bis sie bereit sind für den nächsten Schritt.


am Spinnrad


Auch Kämmen oder Spinnen sind häufige Märchensymbole für das Ordnen der Gedanken. 
Im Grimmmärchen «Die Nixe im Teich» beispielsweise wird ein Jäger von einer Nixe verhext und in einen Weiher gezogen. Seine Frau ist verzweifelt und möchte ihn erlösen. Nach einem dornigen Aufstieg zu einer alten Frau erhält sie zuerst einen Kamm, dann eine goldene Flöte und das dritte Mal ein goldenes Spinnrad, mit denen sie sich bei Vollmond jeweils an den Weiher setzt und arbeitet, bis sie mit ihrem Mann entfliehen kann. Es braucht dann aber noch einmal viele Jahre, in denen die beiden Schafe hüten, bis sie einander erkennen und wieder zueinander finden.


Der Prototyp wird im Garten getestet


Elemente aus diesem und ähnlichen Märchen finden sich wieder in meiner Installation: Die Wolle für die «gedankenwaldgewächse» stammt von Schafen. Bevor ich sie spinnen konnte, musste sie gekämmt werden. Färben und Spinnen erlebe ich als meditative Tätigkeit. 


In der Reflexion erkennen wir, woraus wir selber, die Gesellschaft und Menschheit Kraft schöpfen können. Wer bin ich? Was ist mir wichtig? Worauf kann ich verzichten? Antworten zu finden, braucht Zeit. Die blumenhaften Objekte verdeutlichen das Wachsen noch einmal in sich.

Aufbau auf im Hungerbodenwald


gedanken spinnen

gedanken ordnen 

reflektieren 

wachsen

auf meinem weg – 

aushalten

was kommt






Der Land Art Pfad auf der Gerschnialp oberhalb von Engelberg ist bis am 30. Oktober frei zugänglich. Kuratiert wurde er von Claudia Häusler. www.kultur.spuur.ch/aktuell
Rahmenprogramm auf 
www.engelberg.ch/landart 

Ausser den Gedankenwaldgewächsen sind zu sehen 
(die Fotos sind von Claudia Häusler und entstanden teilweise während dem Aufbau):

«Wald-Wandler» von Gedeon Regli

«Moosknäuel» von Yvonne Christen Vàgner 


«Eindruck – Ausdruck» von Leander Locher 


«ON / OFF Power-Zeichen» von Claudia Vogel und Matthias Maeder 


«ECHO» von Myriam Kachour 


«Tor» von Richard Zürcher 


«Angeli di legnA» von Stefano Devoti 

«Tree Person» von Susana Malagon 


«Relation» von Daniel Züsli 

Freitag, 12. Februar 2021

NEUE HOMEPAGE

Liebe Freunde von TAFch




Wir haben eine neue Homepage!
Wir freuen uns sehr und hoffen, dass das modernere Design anspricht. 


Die Adresse hat sich nicht geändert:

https://www.tafch.ch


Unser Anliegen, die textile Kunst in der Schweiz zu präsentieren und zu vernetzen, könnt Ihr unterstützen, indem Ihr Euch und Eure Anliegen einbringt:


Statt der «textilen Landkarte» gibt es neu eine Linkliste. 

Wir haben alle in der «Landkarte» eingetragenen Künstlerinnen, Ateliers, Verbände und Museen übernommen, sofern die Links noch aktuell sind und funktionieren. Wer noch nicht auf der Liste ist und sich eintragen lassen möchte, kann sich bei info@tafch.ch melden.


Die Seite «Ausstellungen» ist offen für Eure Ausstellungen. 

Sendet eure Angaben an info@tafch.ch (Titel, Datum, Adresse, Öffnungszeiten, Webadresse und ein Bild). Danke!


Neu ist auch dass die Homepage in 3 Landessprachen gehalten wird, da wir ja in der Schweiz wohnhafte Textilschaffende vernetzen möchten.


Wie Ihr sicher bemerkt habt, hat auch der Blog ein neues Layout erhalten.


Wir wünschen euch viel Spass beim entdecken der neuen Homepage.




 

 

Freitag, 8. Januar 2021

Hella Jongerius – Breathing Colour

 So 29.11.20 – Mo 24.05.21 


Text: Christine Läubli 

Die niederländische Designerin Hella Jongerius ist für ihre Auseinandersetzung mit Farben und Materialien international bekannt. «Breathing Colour» zeigt raumgreifende Installationen, mit denen die Designerin die Wirkung und Wahrnehmung von Farbigkeiten erforscht. Nach Stationen in London, Rotterdam und Stockholm kommt ist diese einzigartige Ausstellung zurzeit im Gewerbemuseum Winterthur (Schweiz) zu sehen. 

Hella Jongerius im Jongeriuslab Studio Berlin, Foto: Roel van Tour


Wie beeinflusst das Licht die Farben? Mit dieser Frage beschäftigt sich Hella Jongerius seit rund 10 Jahren. Ihre Antworten präsentiert sie in dieser Ausstellung auf eindrückliche Weise. Die Forschungen gehen weit über die bekannten Farbsysteme hinaus und lassen den Farben Raum zum Atmen.

Einladungskartenmotiv, Foto: Roel van Tour


Unterteilt ist die Ausstellung in die Tageszeiten, welche die Saaltexte poetisch beschreiben. Im ersten Saal «erwacht» man mit dem Morgen. Die Farben sind hell und frisch, die Materialien fein, transparent. Die anfänglich warmen Töne der Morgendämmerung werden nun kristallklar und kalt. 

Blick in die Ausstellung, Foto: Bernd Grundmann


Der Mittag schliesst sich an – nun werden die Schatten hart und deutlich, die starken Kontraste fast schneidend, die markanten Farben sind aber auch voller Energie. 

Morgen: Hella Jongerius im Jongeriuslab Studio Berlin, Foto: Roel van Tour

Im letzten Saal wird es Abend und Nacht: Die allmählich einsetzende Dunkelheit mischt zunehmend Schwarz in die Farben, diese werden weich, gedämpft, die Konturen verwischen.

Mittag, Foto: Bernd Grundmann

In einem kleinen Film begleitet man eine rote Kugel durch den 24stündigen Tagesablauf. Hier zeigt sich noch einmal ganz deutlich, wie sich das Rot je nach Licht und Tageszeit signifikant ändert.

Abend, Foto: Bernd Grundmann

Im mittleren Saal untersucht Hella Jongerius, wie eine kalte, metallene Oberfläche die Farben reflektiert. Erstaunlich, wie dreidimensionale uni Flächen aus der Ferne zweidimensional und mehrfarbig wirken!

Farbforschungen, Foto: Christine Läubli


Verdeutlicht werden diese Phänomene durch «Colour Catcher», «Farbfänger», eine Art Körbe, die Licht, Schatten und Farben auffangen und reflektieren. Die facettierten Fänger stehen und liegen auf farbigen Platten. Sich bewegende Lichtquellen umkreisen sie langsam und zeigen, wie sich die Farben auf den Platten mit dem Schatten ändern, wie sie sich immer neu und phantastisch mischen. In der Ruhe, die es braucht, um kleinste Nuancen wahrzunehmen, gelangt man in eine meditative Welt der Stille und des Glücks.

Farbe auf Metall, Blick in den mittleren Saal, Foto: Bernd Grundmann


Origami: Die gleiche Farbe wirkt je nach Lichteinfall unterschiedlich, Foto: Christine Läubli


Die Lichtfänger werden durch Gewebe ergänzt, welche die Farben von Morgen, Mittag und Abend gestalten. Ausserdem verdeutlichen ganz kleine Stoffmuster, wie sich das Licht je nach Gewebestruktur unterschiedlich bricht; sie bezeugen die immense Forschungsarbeit, die hinter Hella Jongerius’ Werken steht. 


Farbfänger, Foto: Bernd Grundmann


Ein Begrüssungsvideo und ein Dokumentarfilm zeigen, wie die Designerin denkt, forscht und arbeitet.
1993 gründete Hella Jongerius ihr eigenes Studio: Jongeriuslab. Zu ihren Auftraggebern zählen unter vielen anderen das niederländische Designkollektiv Droog, die Fluggesellschaft KLM Royal Dutch Airlines, der US-amerikanische Textilhersteller Maharam und die Designfirmen Vitra und Artek. Gleichzeitig waren ihre Werke in internationalen Museen und Galerien ausgestellt, wie zum Beispiel im MoMA in New York oder in der Galerie Kreo in Paris. «Breathing Colour» wurde in Zusammenarbeit mit dem Design Museum London entwickelt.


Gewebemuster, Foto: Christine Läubli

gewebte Farbstimmung, Foto: Christine Läubli


Hella Jongerius:
«Mit dieser Ausstellung habe ich versucht, das volle Potenzial von Farbe zu offenbaren und zu zeigen, wie das Licht Farben atmen und lebendig werden lässt. Sie soll uns Farbe hinterfragen lassen – einen der elementarsten Aspekte von Design. Mein ultimatives Ziel ist es, die Macht der Farbe gegen die Macht der Form antreten zu lassen.» 


Farbfänger auf farbigen Platten, Foto: Christine Läubli


Hella Jongerius:
«Ich rebelliere gegen die Eintönigkeit der Farbindustrie. Ich vermisse den Schuss Rot in den industriellen Rezepten für Grün. Er verleiht der Farbe ihre Intensität, ihr Leben. Ich vermisse Farben, die mit dem Wechselspiel des Lichts atmen. Ich vermisse die Wandelbarkeit, die Optionen, die es uns erlauben, eine industriell produzierte Farbe zu deuten und umzudeuten, so wie wir ein Kunstwerk umdeuten.»

Morgenstimmung, Blick in die Ausstellung, Foto: Bernd Grundmann


Hella Jongerius:
«Ebenso wie Licht Farben atmen lässt, erzeugt es auch Schatten. Dies ist ein wichtiger und faszinierender Teil meiner Farbforschung geworden. Ohne Schatten wären die Objekte nackt. Schatten sind die Projektion von Objekten, die ihre Position im Raum kennzeichnen.»


Hella Jongerius im Jongeriuslab Studio Berlin, Foto: Roel van Tour


Informationen:
Gewerbemuseum Winterthur, Kirchplatz 14, CH-8400 Winterthur
Die Ausstellung dauert bis zum 24. Mai 2021 und wird von einem reichen Veranstaltungsangebot begleitet.
Leider muss sie wegen Covid bis am 22. Januar geschlossen bleiben.
www.gewerbemuseum.ch
































Dienstag, 22. September 2020

christine läubli: zeiten – schichten – schriften

ge-schichten 2019


Text: 
Christine Läubli
Photos: Urs Müller


Vom 28. August bis zum 12. September 2020 stellte ich in den Kellerräumen des Bauhofes Winterthur (Schweiz) aus. 
Die Gewölbe stammen aus dem Mittelalter, ein Mauerwerk kann auf das 12. Jahrhundert datiert werden. Immer wieder sind hier neue Schichten aufgetragen worden, so dass die Wände und Balken eine Vielzahl an Geschichten enthalten und die archaischen Räume hervorragend zu meinen Werken passten.

Die Leidenschaft für Geschichten und Texte begleitet mich durchs Leben. Einerseits bin ich eine unersättliche Leserin und liebe die Literatur, andrerseits schreibe ich selber gern. Fasziniert vom Zusammenhang von «Textil» und «Text», habe ich mich während längerer Zeit mit den Themen «Schrift», «Schicht»; «Zeit» beschäftigt. Viele Werke bestehen aus verschiedenen Schichten, manche sind beschriftet. Die Geschichten zwischen den Zeilen und Schichten fanden die BesucherInnen selber, wenn sie beim Betrachten ihre eigenen Erfahrungen und Erinnerungen mit einfliessen liessen.


Blick in die Ausstellung


im netz, 2020

beziehung, 2013

lesestoffe, 2018

fragmente, 2019

 detail fragmente, 2019

we are our own story, 2018

detail we are our own story, 2018

das flüstern der stalaktiten, 2020

Blick in die Ausstellung

konzepte, 2018

detail konzepte, 2018

palimpsest, 2019

zerlesen, 2018



aufbewahren und news von gestern, 2016


gepresst in die zeit, 2019

bruchspuren, 2008