Freitag, 8. Februar 2019

Struktur - Textur



von Christine Läubli (Text und Fotos)


Im Deutschen verwenden wir die beiden Gestaltungselemente «Struktur» und «Textur» oft als Synonyme. In vielen Sprachen wird aber feiner unterschieden. Dass sie durchaus nicht dasselbe meinen, wird klarer, wenn man ihre Herkunft studiert.



Struktur


In meinem etymologischen Wörterbuch lese ich, dass das lateinische structura «ordentliches Zusammenfügen, Ordnung, Bauart, Bauwerk» bedeutet. Daraus entwickelte sich das Verb stuere, das «schichtweise nebeneinanderlegen, aufschichten, errichten, ordnen» meinte. Es geht also um «Aufbau» und «Ordnung» – auch im übertragenen Sinn.
Im Mittelhochdeutschen des 13. Jahrhunderts bedeutete structure die Bauart oder Bauweise eines Gebäudes, im Neuhochdeutschen des 16. Jahrhunderts hiess das Wort dann schon struktur, das für «Grundlage, innerer Aufbau, Gefüge aus voneinander abhängigen Teilen» verwendet wurde. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es das Verb strukturieren im Sinne von «eine Struktur besitzen, gliedern»1.


Textur


Mit der Wortgeschichte von «Text» hat sich der Altphilologe Klaus Bartels beschäftigt. texere heisst lateinisch weben, flechten, das Partizip Perfekt Passiv textus ist demnach gewoben und geflochten. Offenbar mahnte der Vorgang des Denkens an ein Gewebe aus Kette und Schuss, so dass die Römer den Begriff bald einmal auf das Gedankengebilde übertrugen. Der Webermeister Marcus Tullius Cicero verwendete das Wort texere im 1. Jahrhundert vor Christus als erster in Zusammenhang mit Schrift. Hundert Jahre später findet man textus schon für ein fortlaufendes Gedankengefüge. Seither verstehen wir unter text alles Geschriebene schlechthin, und eine Erinnerung an die Webarbeit finden wir nur noch in den textilien.

In der Gestaltung hat sich textur als Begriff für eine Oberflächenbeschaffenheit eingebürgert, nicht nur in der Kunst oder dem Textildesign, sondern auch in der Computergrafik.

Unterschied Struktur und Textur


Zusammenfassend können wir also sagen, dass im Unterschied zur Struktur, die den grundsätzlichen Aufbau und die Anordnung der Teile in einem Objekt benennt, die Textur an der Oberfläche bleibt und deren Beschaffenheit, zum Beilspiel die Zeichnung oder Schrift auf derselben beschreibt.


Quellen:

1Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, erarbeitet unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer, Deutscher Taschenbuch Verlag
2Klaus Bartels, «Text», Stichworte, NZZ 28. 4. 2015
https://de.wikipedia.org/wiki/Textur


Welchem der beiden Begriffe würden Sie die folgenden Bilder zuordnen
















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