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Freitag, 1. März 2019

Pascale Goldenberg (Hg.): Keep Your Eye on the Planet


Von Christine Läubli
Fotos: Maro Verlag

Maro Verlag 2018, 192 Seiten, 16,2 x 16,2 cm, mit 300 farbigen Abbildungen, gebunden, CHF 28.90, Euro 22
in Deutsch, Englisch, Französisch
ISBN 978-3-87512-555-9





Unser Auge vermittelt uns die Schönheiten der Welt – allerdings auch deren Kehrseite – und ist ein faszinierendes, äusserst kostbares Organ. Als symbolisches Motiv ist es wohl allen Menschen auf Erden vertraut. Schon in alter Zeit war es die Verbindung zur Götterwelt; zum Beispiel sind der ägyptische Sonnengott Re, der griechische Helios oder Panoptes (Alles-Seher) und die christliche Dreifaltigkeit durch das Auge symbolisiert. In vielen Kulturen bewahrt ein Amulett-Auge vor dem bösen Blick oder hat sogar heilende Kräfte: Im Orient schützen sogenannte Nazar-Perlen neugeborene Kinder, Autofahrer, Eingänge in Gebäude.

An solche Zusammenhänge erinnern auch die gestickten Augen in diesem Buch. Vor allem stehen sie aber für eine bewusstes Beobachten, Wahrnehmen und Behüten unseres Planeten. «Keep Your Eye on the Planet» könnte mit «Hüte den Planeten wie deinen Augapfel!» übersetzt werden.

Augenmotive, gestickt von Zarifa und Nadjiba

Seit 2002 verwirklicht die Deutsch-Afghanische Initiative (DAI e. V.) Schulprojekte in Afghanistan. In diesem Zusammenhang besteht seit 2004 das Stickprojekt «Guldusi», das die Frauen dazu anregte, die traditionelle und während der Kriegsjahre verloren gegangene Technik der Stickerei wieder aufzugreifen. Heute ermöglicht das Programm rund 200 Frauen in drei Dörfern ein Einkommen. Jede Stickerin gestaltet im Quartal nach Vereinbarung eine bestimmte Anzahl von Arbeiten. Die kleinen Tücher werden in Europa einzeln oder in Serien zum Verkauf angeboten: https://www.guldusi.com/stickprojekte.html

Marie-Christine Hourdebaigt (F): Metamorphose, the Coral Reef
Dolores Alarçon (F): Love your Planet

Bei uns dienen die afghanischen Stickereien gern als «Keimlinge»: Die DAI schreibt Immer wieder Wettbewerbe aus, welche nicht nur ein Thema vorgeben, sondern auch die Aufgabe beinhalten, im eigenen Werk afghanische Stickereien zu integrieren. Vom jüngsten dieser Wettbewerbe handelt dieses Buch. Die Wanderausstellung «Keep Your Eye on the Planet» wurde im September 2018 in Sainte Marie-aux-Mines in Frankreich eröffnet. Eine Jury hatte dafür 45 Arbeiten europäischer Künstlerinnen ausgewählt. Allen gemeinsam ist das Format 60 x 60 cm und die Integration von einem oder mehreren gestickten Augen aus Afghanistan.


Cas Holmes (UK): Wood's Bruised Heart
Irene Reinhardt (D): Hungergürtel

Das Buch zeigt von jeder Wettbewerbsarbeit eine Gesamt- und eine Detailaufnahme. Die meisten Künstlerinnen bedienten sich der Technik des Quiltens. Trotzdem findet man ganz unterschiedliche gestalterische Sprachen. Viele aussagekräftige Werke sensibilisieren für die Schönheiten der Welt, aber auch für die Verantwortlichkeit, die wir tragen.
Ausser den jurierten Arbeiten enthält das Buch auch
zahlreiche Geschichten aus Afghanistan sowie Gedichte und Sprichwörter aus dem persischen Raum. Zusätzlich werden partizipative Initiativen der Künstlerinnen Astrid J. Eichin und Elisabeth Masé vorgestellt sowie das Projekt »Peace of Paper« aus München, die alle Sinn und Esprit des Wettbewerbthemas teilen.

Phuong Coulot (F): The Freedom Dreamers

Das Galeriebuch «Keep Your Eye on the Planet» ist wie ein Blumenstrauss mit einer reichen Fülle an Blüten. Da ein Inhaltsverzeichnis fehlt und auch keine Struktur zu erkennen ist, überlässt man sich am besten einfach im Zufallsprinzip den bunten textilen Welten aus Afghanistan und Europa, lässt sich von den poetischen, besinnlichen oder narrativen Arbeiten überraschen, berühren und zum Nachdenken anregen.


Claire Grosfilley (F): Voir à travers

Die Herausgeberin des Buches Pascale Goldberg leitet seit 2004 das Stickprogramm Guldusi. Die Jurierung der Ausstellung besorgten Elsbeth Nusser-Lampe (D), Gabi Mett (D) und Hilde van Schaardenburg (NL).
Alle Bilder stammen aus dem Buch und werden hier mit freundlicher Genehmigung des Verlags veröffentlicht.

Irina Hundt (D): Corporate Social Responsibility

https://www.guldusi.com/shop/buecher.html
https://www.galeriebuch.de/galeriebuecher/keep-your-eye-on-the-planet/

Freitag, 11. Januar 2019

Jenny Dutton: the Dementia Darnings

von Isabelle Wiessler

Als ich im Oktober 2018 bei der "Knitting and Stiching Show" in London war, sah ich unter anderem die Ausstellung von Jenny Dutton: Sie bestand aus Bildern, die sie von ihrer an Demenz erkrankten Mutter gestickt hatte.
Ich war so von diesen grossformatigen Bildern,, die den Weg mit der Demenz zeigen, beeindruckt, dass ich es teilen wollte.
Jenny Dutton hat Bildende Kunst studiert und als Kunstlehrerin gearbeitet. Sie hat sich dann der Kunst ganz widmen wollen und hat sich mit Konzeptioneller Kunst beschäftigt, indem sie Kleider und Schuhe aus verschiedensten Materialien herstellte.

Sie begann die "Dementia Darnings" in 2011, als ihre Mutter anfing, dement zu werden und sie sich um deren Pflege kümmerte. Sie schauten zusammen alte Fotos an und Jenny vergrößerte eines dieser Bilder. Sie begann, mit grossen Stichen ein Netz zu besticken, das sie an die Decke ihres Studios gehängt hatte. Sie hatte vor, es zuerst eher transparent erscheinen zu lassen, aber die Arbeit liess sich schlecht gerade richten und so entschloss sie sich, es anschliessend auf eine Leinwand zu befestigen.


Mum with a Spotty Bow
Für sämtliche Bilder verwendete Jenny einen Vorstich aus Wollgarn (welches für Gobelins gebraucht wird). Die Stiche erinnern an Striche aus Buntstiften. So bekommen Jenny's Bilder Formen und Konturen.
Sie arbeitet auschliesslich nach Fotos, die sie selbst gemacht hat. Für jedes Bild braucht sie drei bis vier Monate. Alle Bilder sind 130 x 90 cm. Durch dieses Format wirken Sie ganz besonders beeindruckend!

Mom with flowery headscarf
Mom wearing white shirt

Mom wearing white shirt - Detail
Für die späteren Bilder trennte sie die Fadenstränge, um noch feinere Farbverläufe zu erzielen.

Mom asleep in a chair
Mom awake

Sie erklärt, dass sie immer nach dem gleichen Arbeitsprozess arbeitet: sie sucht zuerst das passende Bild und dann arbeitet sie direkt auf das Netz. Sie meint, dass dadurch eine gewisse Frische erhalten bleibt. Sie teilt auch das Gesicht in mehrere Teile auf, die sie dann Stück für Stück bestickt. Auf diese Weise kann sie besser auf die Details achten. Es kann dann vorkommen, dass sie, wenn das Bild fertig ist, noch Stiche hinzu fügt oder entfernt.
Diese Arbeit hat für sie etwas Meditatives an sich. Sie ist so konzentriert auf die Linien und Stiche, dass sie meistens alles um sich vergisst.
Diese Arbeiten über Ihre Mutter haben ihr geholfen die drei Jahre bis zu ihrem Tod zu bewältigen. Sie ist jetzt sehr dankbar, dass diese Bilder grossen Zuspruch erhalten.
Mich haben sie sehr beeindruckt und berührt. Es ist als würde man in dieser Welt eintauchen in dem Bewustsein, dass es nur ein Momentaufnahme ist.

Mehr über Jenny Dutton und ihre Arbeit erfahren Sie unter www.jennydutton.com


In eigene Sache:
Ich möchte mich mit diesem Beitrag von euch verabschieden. Ich werde leider die Gruppe TAFch aus zeitlichen Gründen verlassen. Es hat mir grosse Freude bereitet, mit der Gruppe zu arbeiten, und ich wünsche TAFch noch viel Erfolg für die Zukunft.

Freitag, 11. Mai 2018

Textile Vielfalt in Oaxaca, Mexiko







von Isabelle Wiessler



Noch einmal möchte ich mich den Textilien in Mexiko, die ich durch meine dortige Reise entdecken dürfte, widmen.

Wir sind nach der Quilt Show in Mexiko City nach Oaxaca mit dem Bus (sehr komfortabel und angenehm, sehr zu empfehlen, da sowieso keine Züge in Mexiko fahren!) gefahren.

Oaxaca liegt 500 km südöstlich von der Hauptstadt und ist mit seinen 500.000 Einwohnern nicht gerade klein, aber nach Mexiko City geradezu gemütlich! Es ist eine sehr angenehme und lebendige Stadt mit traditioneller prähispanischer Zeit, koloniale Vergangenheit und indigenes Erbe, somit auch textil!

Oaxaca besitzt ein „Museo textil de Oaxaca“, das ich sofort besuchte. Das Museum war sogar kostenlos.

Dieses wunderschöne Museum enthält eine permanente Ausstellung über die dortigen Textilien und Ausstellungsräume. Ich war extrem überrascht, dass zu der Zeit die Ausstellung: “A trail of Quilts, the legacy of Bill Stecher“ lief. Man muss sich vorstellen, dass Quilts in Mexiko einfach noch viel unbekannter sind als hier! Ich hatte bisher noch gar nichts von Bill Stecher gehört. Bill Stecher war ein amerikanischer Architekt und Quilter. Er wurde stark in seiner Arbeit von den Gees Bend Quilts beeinflusst und begann nach seiner Pensionierung und Übersiedelung nach Mexiko (in der Nähe von Oaxaca) Quilts mit kräftigen Farben zu machen. Die Quilts waren ganz traumhaft präsentiert. Die Meisten entsprachen traditionellen Patchworkmustern, aber mit einer sehr eigenen, starken Farbenzusammensetzung. Einer hat mir besonders gut gefallen nicht zuletzt durch die Präsentation vor einem Lichtkasten.






Die 2. Ausstellung war Jolanta Sprawka gewidmet. In Polen geboren hat sie 22 Jahre in Marokko gelebt bis sie in Quebec mit ihren 3 Kindern 1990 Zuflucht fand. Ihre Inspiration findet sie in den organischen Formen der Unterwasser Welt. Sie arbeitet hauptsächlich mit Cellophan, die sie besonders für dessen Plastizität, Leichtigkeit und Klarheit schätzt. Sie erarbeitet daraus wunderschöne skulpturale Elemente und spielt damit mit Licht und Räume. Ich tauchte sofort in ihre geheimnisvolle Welt zwischen Yin und Yang, zwischen diesen alten Gemäuern und ihren Installationen. Einfach traumhaft!





Detail
 
Detail

Die 3. Ausstellung war der Stickerei der Mazahuas aus San Felipe de Gonzales gewidmet. Unglaublich feine Stickerei und Webereien! Ich lasse Sie einfach diese wunderbaren Arbeiten anschauen.





Lampe

Bänder


Am Tag danach sind wir mit Gilian Travis, die auch beim Quiltfestival unterrichtet hatte und ihrer Freundin mit einem Taxi Richtung Süden gefahren. So durften wir durch den (riesigen) Wochenmarkt in Octolan der Morelos schlendern. Danach fuhren wir nach San Antonio, um die feinen Stickereien zu begutachten und in ein anderes Dorf, das auf schmale Weberei (back strap weaving) spezialisiert ist..

















Die folgenden Bilder zeigen sowohl den textilen als auch die sonstige Vielfalt dieser Gegend, die ich nur empfehlen kann: eine Färberei und Weberei, Tanz auf der Straße am Freitag Abend... Es war ein Traum für alle Sinne!!!

Aus diese durch Insekten weiß verfärbtes Blatt bekommt man eine ganz besondere Farbe




Verschiedene Natur Färbemittel