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Freitag, 11. Mai 2018

Textile Vielfalt in Oaxaca, Mexiko







von Isabelle Wiessler



Noch einmal möchte ich mich den Textilien in Mexiko, die ich durch meine dortige Reise entdecken dürfte, widmen.

Wir sind nach der Quilt Show in Mexiko City nach Oaxaca mit dem Bus (sehr komfortabel und angenehm, sehr zu empfehlen, da sowieso keine Züge in Mexiko fahren!) gefahren.

Oaxaca liegt 500 km südöstlich von der Hauptstadt und ist mit seinen 500.000 Einwohnern nicht gerade klein, aber nach Mexiko City geradezu gemütlich! Es ist eine sehr angenehme und lebendige Stadt mit traditioneller prähispanischer Zeit, koloniale Vergangenheit und indigenes Erbe, somit auch textil!

Oaxaca besitzt ein „Museo textil de Oaxaca“, das ich sofort besuchte. Das Museum war sogar kostenlos.

Dieses wunderschöne Museum enthält eine permanente Ausstellung über die dortigen Textilien und Ausstellungsräume. Ich war extrem überrascht, dass zu der Zeit die Ausstellung: “A trail of Quilts, the legacy of Bill Stecher“ lief. Man muss sich vorstellen, dass Quilts in Mexiko einfach noch viel unbekannter sind als hier! Ich hatte bisher noch gar nichts von Bill Stecher gehört. Bill Stecher war ein amerikanischer Architekt und Quilter. Er wurde stark in seiner Arbeit von den Gees Bend Quilts beeinflusst und begann nach seiner Pensionierung und Übersiedelung nach Mexiko (in der Nähe von Oaxaca) Quilts mit kräftigen Farben zu machen. Die Quilts waren ganz traumhaft präsentiert. Die Meisten entsprachen traditionellen Patchworkmustern, aber mit einer sehr eigenen, starken Farbenzusammensetzung. Einer hat mir besonders gut gefallen nicht zuletzt durch die Präsentation vor einem Lichtkasten.






Die 2. Ausstellung war Jolanta Sprawka gewidmet. In Polen geboren hat sie 22 Jahre in Marokko gelebt bis sie in Quebec mit ihren 3 Kindern 1990 Zuflucht fand. Ihre Inspiration findet sie in den organischen Formen der Unterwasser Welt. Sie arbeitet hauptsächlich mit Cellophan, die sie besonders für dessen Plastizität, Leichtigkeit und Klarheit schätzt. Sie erarbeitet daraus wunderschöne skulpturale Elemente und spielt damit mit Licht und Räume. Ich tauchte sofort in ihre geheimnisvolle Welt zwischen Yin und Yang, zwischen diesen alten Gemäuern und ihren Installationen. Einfach traumhaft!





Detail
 
Detail

Die 3. Ausstellung war der Stickerei der Mazahuas aus San Felipe de Gonzales gewidmet. Unglaublich feine Stickerei und Webereien! Ich lasse Sie einfach diese wunderbaren Arbeiten anschauen.





Lampe

Bänder


Am Tag danach sind wir mit Gilian Travis, die auch beim Quiltfestival unterrichtet hatte und ihrer Freundin mit einem Taxi Richtung Süden gefahren. So durften wir durch den (riesigen) Wochenmarkt in Octolan der Morelos schlendern. Danach fuhren wir nach San Antonio, um die feinen Stickereien zu begutachten und in ein anderes Dorf, das auf schmale Weberei (back strap weaving) spezialisiert ist..

















Die folgenden Bilder zeigen sowohl den textilen als auch die sonstige Vielfalt dieser Gegend, die ich nur empfehlen kann: eine Färberei und Weberei, Tanz auf der Straße am Freitag Abend... Es war ein Traum für alle Sinne!!!

Aus diese durch Insekten weiß verfärbtes Blatt bekommt man eine ganz besondere Farbe




Verschiedene Natur Färbemittel










Freitag, 23. März 2018

Textiles in Bundesstaat Chiapas im Süden Mexiko




von Isabelle Wiessler

Letzte Woche hat Bea über Frida Khalo berichtet – wir bleiben in Mexiko!

Ich war im Februar beim 10. Patchwork Festival in Mexiko City als ausstellende Künstlerin und Kursleiterin eingeladen. Ich werde später darüber berichten.

Wir sind danach in die südliche Richtung weitergereist, dort, wo das Textile einen hohen Stellenwert hat. Heute möchte ich über die verschiedene Textilien in und um San Cristobal de la Casa berichten. San Cristobal ist eine historisch bedeutsame Kolonialstadt und liegt auf 2.100 Meter zwischen pinienbewaldete Berge im Bundesstaat Chiapas mit dem größten Indigenen Bevölkerungsanteil in Mexiko.




Dort wird immer noch sehr viel gewebt und gestickt. Ich denke, weil die Frauen hauptsächlich in den umliegenden Dörfer sich mit ihren Trachten kleiden, aber auch durch die Kaufkraft und das Interesse der Touristen. Es sind im Ort zwei Kunsthandwerk Märkte und dann noch unzählige Kunsthandwerk Geschäfte. Zudem laufen viele Indiofrauen mit ihren Kindern herum und versuchen einiges an den Mann zu bringen. Die Frage ist nur: was wird tatsächlich dort hergestellt und was kommt aus China?!



Anhand der verschiedenen Trachten, Farben und Webmuster kann erkannt werden, aus welchem Dorf die Frauen stammen. Ich war selbst in zwei Dörfer um San Cristobal: Chamula und Zinacantàn. Diese zwei Dörfer liegen nur ein paar Kilometer auseinander, aber die Frauen sind vollkommen anders angezogen.

Chamula ist ein 4.000 Einwohner großes Dorf und das religiöse Zentrum für die dort lebende Tzotziles. Chamula-Frauen tragen schwarze gefilzte Röcke, blaue oder weiße Blusen und in ihre langen Zöpfe flechten sie oft bunte Bänder ein. Der Rock wird meistens mit schönen gewebten Bändern zusammengehalten.




Manchmal tragen Sie auch sehr schön „gesmockte“ Blusen.



Die Männer tragen auch manchmal ärmellose Jacken aus roher gesponnener Schafswolle mit Gürtel über eine Hose. Ich habe jedoch nur ein Paar vor dem Kircheneingang stehen gesehen und vermute, dass Männer ihre Tracht eher nur bei Feierlichkeiten tragen.



In Zinacantàn tragen die Frauen blaue Wollröcke, weiße Blusen und darüber gestickte Poncho-Umhänge. Manchmal wird aber einfach die Bluse bestickt.






Andere umliegende Dörfer haben auch noch eigene Trachten.

Es werden auch eigewebte Motive und Ornamente, die meist uralte Maya-Sinnbilder darstellen eigearbeitet, wie auch das Rautenmuster der Frauen von San Andrés.


Ein meiner Highlights in San Cristobal de la Casa war der Besuch des Museums „Na Bolom“ (Haus des Jaguars). Auf dieser großzügigen Anlage mit Garten und Patio lebten der dänische Archäologe Frans Blom (1893-1963) und seine Frau Gertrude Duby-Blom (1901-1993) aus der Schweiz


Na Bolom ist heute eine gemeinnützige Stiftung und ein Maya-Studienzentrum mit Museum und Bibliothek. Das Museum ist voll mit Gebrauchsgegenstände, Schmuck, Fotos und Textilien der Lacandonen, eine indigene Volksgruppe aus Chiapas, den das Ehepaar Blom ihr Lebenswerk widmete. Die Lacandonen lebten und leben tief im Regenwald nah der Grenze zu Guatemala und wurden deshalb von Kolonisierung und Christianisierung weitestgehend verschont. Gertrude Duby-Blom, die bis zu ihrem Lebensende überwiegend in diesem Haus gelebt hat, machte es zu Ihrer Lebensaufgabe das Leben dieses Volkes zu dokumentieren und zu schützen.

Mich haben natürlich vor allem die Textilien interessiert. Diese Arbeiten sind älter, offensichtlich weben die Lacandonen jetzt nicht mehr. Man kann erkennen, wie die gewebten Stoffe einfach zusammengesetzt und reichlich bestickt wurden.




Hier hatte ich den Eindruck, dass der bestickte Stoff zum Teil aus Wolle bestand und sich mit der Zeit verfilzt hat.




Auch Taschen und Netze wurden gewebt bzw. geknotet.


Dieser Ort war für mich magisch. Ich spürte dort gleichzeitig Ruhe und große Kraft, als wenn der Geist von Frans und Trudi Blom über diesen Ort noch schweben würden.

Wenn ihr Interesse habt empfehle ich folgende Website:

https://www.nabolom.org/ (leider nur in Spanisch)

http://nabolom.ch/ Ich bin bei meinen Recherchen auf diese Seite gestoßen über ein Schweizer Kulturverein, der sich zum Ziel gesetzt hat Trudis Arbeit weiter zu führen.

Ich bin selbst von dieser Frau extrem beeindruckt!

Und wenn ihr in diese Gegend reisen solltet, würde ich euch empfehlen dort zu übernachten und zu essen. Man muss sich für beides voranmelden, was ich nicht wusste, aber unser kleines Mittagessen dort war viel versprechend!