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Freitag, 5. Juli 2019

Das Weben der Schiffchen 2



Text und Fotos: Christine Läubli

Mit vollbepackten Autos fuhren wir, Katja Bächtold, Irene Brühwiler und ich, am 11. Juni 2019 nach Thalwil bei Zürich, um unsere Installation «Das Weben der Schiffchen» aufzubauen.
https://tafch.blogspot.com/2019/05/das-weben-der-schiffchen_24.html.
Für uns war der Dachstock der Trotte auf dem Pfisterareal vorgesehen. Es hiess also, das ganze Material einige Treppen hoch zu schleppen.

Als erstes schraubten wir den selber gebauten Webrahmen zusammen. Die Webtechnik hatten wir vom Pin Loom übernommen:
https://www.weltbild.ch/artikel/buch/minis-weben-mit-dem-pin-loom_21207500-1

Die erste Schicht.
Links davon liegt unsere Gewebeprobe.
Die «Fäden» unserer ersten Schicht bestanden aus einem Plastikrankengitter, das wir als Ganzes über den Rahmen legten, Bahnen aus zerschnittenen Plastiksäcken, sowie LED-Streifen. Schon mussten wir erste Entscheidungen treffen: Wie dick sollten die Plastiksackschnüre sein? Wie weit sollten sie aus dem Gewebe fransen? Das Rankengitter legten wir auch gleich in der Gegenrichtung ein, damit wir später diese «Fäden» nicht einweben mussten, sie aber doch an beiden Seiten aus dem Gewebe ragen würden.
Die erste Schicht ist fertig.

Dann kamen Schicht 2 und 3 aus schwarzen Stoffstreifen und Tricotbändern.


Schicht 2 und 3 sind eingelegt.
Die Plastikschnüre beschweren wir mit Schiffchen.
Am aufwändigsten erwies sich das Einweben der Schicht 4, die wiederum aus Plastiksackbahnen und LED-Schnüren bestand. Mit einer Holzlatte bahnten wir das Fach. Stunden um Stunden knieten wir auf dem Gewebe und führten Schuss um Schuss ein. Mit der Zeit wurden wir geschickter und fanden Wege, uns die Arbeit zu erleichtern. Trotzdem waren wir am Abend des ersten zehnstündigen Arbeitstages noch nicht fertig geworden. Wir fühlten uns, als hätten wir eine mehrstündige Bergwanderung hinter uns.
Der erste Schuss wird eingelegt.
Die Gewebestruktur wird sichtbar.
Das Gewebe wächst.
Irene Brühwiler an der Arbeit.
Am nächsten Tag gingen wir wieder frisch ans Werk. Neben der Webarbeit mussten die Gitter, soweit sie aus dem Gewebe ragten, aufgeschnitten werden – auch das war eine immense Arbeit. Allmählich ergaben sich Fragen: Wie sollten die herausragenden Fäden liegen, wo und wie die Schiffchen, wo der Bildschirm platziert werden? Die Meinungen gingen auseinander, Diskussionen waren notwendig, vieles wurde ausprobiert, verworfen, neu begutachtet und entschieden. Da das Plastik der Säckchen zu dominant erschien, schnitten wir einige Bahnen zurück und verwebten deren Enden ins Gewebe.
Bereit für den Techniker.
Um 13 Uhr erschien unser Techniker Andrijan Müller. Während er die Elektronik installierte, drapierten wir endgültig die Bereiche ausserhalb des Gewebes. Auf jenen beiden Seiten, wo die LED-Schnüre nicht verkabelt wurden, wickelten wir diese nur auf die Dornen der Schiffchen.
Die Elektronik wird vorbereitet.

Elektrotechnik auf den Schiffchen

Andrijan Müller vernetzt die Schiffhen

Danach vernetzte Andrijan die verkabelten Schiffchen mit dem Computer und dem Bildschirm. Die ersten Lichtbahnen leuchteten auf. Eine nach der anderen musste kontrolliert werden: Lagen die LED-Schnüre richtig, oder waren sie von den übrigen Webmaterialien verdeckt bzw. hatten sie sich verdreht?

Nun muss noch der Bildschirm angeschlossen werden.

Als nun alles fertig vor uns lag, war die Befriedigung gross: So lange hatten wir auf diesen Augenblick hingearbeitet, uns immer wieder vorgestellt, wie die Installation aussehen sollte – und nun war sie real geworden!


Die Installation "Das Weben der Schiffchen"

Während der beiden Kulturwochen vom 14. bis 21. Juni besuchten ca. 350 Personen unsere Installation «Das Weben der Schiffchen», liessen sich vom Lichtspiel bezaubern und staunten über die vielen Weberinnen, die rund um den Zürichsee noch heute mit Handweben beschäftigt sind. Die Performance von Sabina Kaeser am 21. Juni ergänzte die Installation mit poetischen Handlungen und Texten.

Sabina Kaeser während der Performance
35 Weberinnen erscheinen im Takt der Lichschnüre
auf dem Bildschirm.
Hier: Barbara Rohrbach aus Zürich.

Wir danken unseren Sponsoren.





Freitag, 24. Mai 2019

Das Weben der Schiffchen

Text: Christine Läubli

Intention:
Wir verweben schwarze und weisse Fäden, Tradition und Moderne – Handweberinnen von heute vernetzen sich rund um den Zürichsee.


Am Zürichsee klappert noch immer so mancher Handwebstuhl. Wo stehen die Webstühle, wer sitzt dahinter und hält das Schiffchen in der Hand? Und in welchem Kontext wird gewoben: Sozialpädagogik, Kunst, Design, Kulturhistorik, Hobby, Ausbildung …?
All dies möchten wir, die drei Gewebegestalterinnen und Künstlerinnen Katja Bächtold, Irene Brühwiler und Christine Läubli in einer Installation sichtbar machen.

Verwebt werden schwarze und weisse Fäden. Die schwarzen Naturfasern symbolisieren die Tradition, die weissen Hightech-Fäden das zeitgenössische Weben. Die eingewobenen und in einem bestimmten Rhythmus aufleuchtenden Lichtbahnen vernetzen die Weberinnen in ihrem Tun. Auf einem Bildschirm erscheinen im selben Takt Porträts der Gewebegetalterinnen.

Am 21. Juni, 19 Uhr, wird die Künstlerin Sabina Kaeser das Thema in einer Performance vertiefen (Eintritt frei, Kollekte, Dauer ca. 55 Minuten)

Die Installation wird im Rahmen der Kulturtage Thalwil 2019 gezeigt, die unter dem Motto VERWOBEN stehen und vom 14. bis 29. Juni 2019 in Thalwil ZH stattfinden: Während dieser Zeit versetzen rund 40 Projekte die Gemeinde in einen kulturellen Ausnahmezustand.

Das Verweben ist seit den Anfängen das geheime Programm der Kulturtage. Die Kulturtage verweben Ideen, Kunstformen und Genres, und in gemeinsamen Projekten verweben sich Kulturschaffende, Vereine und andere Bevölkerungskreise.
VERWOBEN knüpft an die Geschichte der Gemeinde Thalwil an. Noch vor hundert Jahren war sie eines der wichtigsten europäischen Zentren der Seidenweberei. Einige Zeugnisse dieser Zeit sind präsent, andere harren der Entdeckung.
Das Thema führt uns auch zu uns selber. Wir alle sind irgendwie verwoben – mit unserer Familie, unserer Kultur, unserer Herkunft. Gelegentlich wird es uns dabei zu eng. Dann wiederum schätzen wir die Geborgenheit, die uns dieses Verwoben-Sein gibt.

Das Programm der Kulturtage finden Sie unter:
www.kulturtage-thalwil.ch 
www.instagram.com/gemeindethalwil
www.facebook.com/gemeindethalwil



Technische Skizze des Gewebes

Ideenskizze der Installation

Materialprobe mit Leuchtstreifen

Anna Saarinen, Zürich www.annasaarinen.ch

Barbara Rohrbach Wellauer, Zürich www.baroba.ch

Claudia Kuhn, Küsnacht

Katja Bächtold, Uerikon www.unikatja.ch

Tempus Erwachsenenbildung, Künacht. Kursleiterin: Mieke van Santen
www.tempus-schule.ch/erwachsenenbildung/kurse/kursprogramm/

Laetitia Barblan, Uerikon www.elno-creationtextile.com

Leena Pinomaa, Zürich www.pinomaa.ch

Luzia Klinkert, Zürich

Silvia Kuster, Benken SG  www.form-textilien.ch

Tanja Stutz, Horgen