Freitag, 11. April 2014

Ein Besuch ins Kröller-Müller-Museum


von Grietje van der Veen

Ferienhäuschen
Kurz vor der TAF-Ausstellung „textimus 1“ nahm ich mir eine Woche Auszeit und besuchte meine Schwester in den Niederlanden. Wir mieteten uns ein Ferienhäuschen in der Provinz Gelderland und machten von dort aus einige Ausflüge.

Unter anderem besuchten wir das Naturschutzgebiet „De Hoge Veluwe“, nördlich von Arnheim, in dem sich das berühmte Kröller-Müller-Museum befindet. Das Museum ist nicht mit dem Auto erreichbar. Wer nicht zu Fuss gehen will (ca. 5 km) kann sich ein Fahrrad schnappen, von denen Hunderte bei den Eingangstoren des Naturschutzgebietes und beim Museum parkiert sind. Die Benutzung der Fahrräder ist im Eintrittspreis inbegriffen. Mit denen kann man stundenlang in den Wäldern umherstreunen zum Wild beobachten, picknicken oder eben das Museum mit seinem ausgedehnten Skulpturenpark besuchen.
Einer der Skulpturen im Wald


Mario Merz, "igloo di pietra"
 Kröller-Müller ist zwar ein Reichsmuseum, die Exponate jedoch kommen von einer privaten Stiftung, die vom Ehepaar Kröller-Müller gegründet wurde. Mit dem unermesslichen Reichtum ihres Ehemannes und mit Hilfe eines Beraters erwarb Helene Kröller-Müller insgesamt 11.500 Kunstobjekte, darunter die grösste private Van Gogh-Sammlung, abgesehen von der Sammlung der Familie von Van Gogh selber. 1938 öffnete das Kröller-Müller-Museum seine Tore im Nationalpark „De Hoge Veluwe“. Der zugehörige Skulpturengarten ist einer der grössten in Europa. Der ganze Nationalpark gehörte übrigens ebenfalls dem Ehepaar.
Nicht diesen Bildern jedoch galt diesmal unser Interesse, sondern der Sonderausstellung „A One Day Walk“ mit Barry Flanagan, Tony Gragg, Nicholas Pope, Bill Woodrow und Richard Long. Fünf Künstler, die alle in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts geboren wurden. Ich zeige hier ein paar Werke aus der Ausstellung, die ich – ohne Blitzlicht - fotografieren durfte. Bei den Texten zu den Werken beziehe ich mich auf die Erläuterungen des Museums. Ich habe sie teilweise frei übersetzt.

Barry Flanagan (1941-2009) wurde vor allem bekannt wegen seiner  übergrossen bronzenen Hasen in Weitsprung . Hier werden aber ganz andere Werke gezeigt:


Barry Flanagan, „May 2 1976“
Jute gefärbt. Die verschiedenen Stoffe sind oben sehr eng zusammengepresst, aber dann frei hängen gelassen, um dem Material die Möglichkeit zu geben, sich den Umständen anzupassen: sich zu verziehen oder einzugehen.
Ich habe versucht herauszufinden, was an diesem 2. Mai Bedeutendes geschah, habe aber nichts gefunden. Vielleicht weiss eine Leserin oder ein Leser mehr darüber?
Barry Flanagan, „Shadow Catcher“ 1977 - 1979

Das Werk hängt an der Wand und besteht aus mehreren Lagen Jute, die locker über einander hängen. Die Art und Weise wie sie angeordnet sind, sind grundlegend für das Material: Holz zum Stützen, Stoff zum Hängen und das Licht mehr oder weniger durchzulassen.


Barry Flanagan „Plants“ 1971 Jute, Sand und Harz.
Plant - Detail     



Die Pflanzen zeigen Barry Flanagans Interesse an knetbaren Materialien. Er näht mit der Nähmaschine irgendwelche Schläuche, füllt sie mit Sand und schaut zu, wie die Materialien zusammen ihre eigene Form annehmen und ein natürliches Gleichgewicht finden. Dieser Entstehungsprozess, teils von den Eigenschaften der Materialien gesteuert, ist für ihn ein essentieller Teil seiner Arbeit.

Chess Set 1971, Kork auf Aluminium, Textil, Sand
Nicholas Pope (* 1941)
Pope arbeitet anfänglich mit Holz und Kreide. 1982 reist er nach Afrika, wo er an einer viralen Infektion erkrankt, die bei ihm eine celebrale Lähmung verursacht. Erst 1992 beginnt er wieder künstlerisch tätig zu werden. Da Holzbearbeitung zu anstrengend für ihn ist, konzentriert er sich nun auf weichere und leichtere Materialien wie Ton und Textil. Christliche Themen stehen von da an im Mittelpunkt seines Schaffens.


The Ten Commandments in Flowing (Die Zehn Gebote im Lichte des Himmels) 1996-1997 Porzellan, Metall, Textil, Aluminiumfolie.
Detail
Die zehn Gebote erscheinen hier in faszinierenden bildlichen Skulpturen, losgelöst von jeglicher Tradition. Durch ihre Materialien, aber insbesondere durch ihre poetischen kritischen Titel erhalten Popes Werke einen erdgebundenen Anflug: seriös, humorvoll, aber auch mit einem Augenzwinkern zum Banalen.
Ich war nicht darauf gefasst, soviel Textiles zu sehen. Wenn ich diese Werke so betrachte, frage ich mich, weshalb wir Frauen nicht viel mutiger sind, uns von traditionellen Vorstellungen der Textilverarbeituung zu trennen.

Eigentlich bin ich nur in die Ausstellung gegangen, weil ich unbedingt die Werke von Richard Long sehen wollte.

Richard Long (*1945) wandert durch die Welt und kreiert währenddessen Kunstwerke mit den natürlichen Materialien, die er unterwegs findet wie Steine oder Holz. Er zeichnet Spiralen, Linien, Kreise oder Kreuze im Sand oder baut Skulpturen. All diese Werke verschwinden mit der Zeit. Long dokumentiert sie mit Fotos, Landkarten und poetischen Texten, die er später publiziert.
In der Ausstellung ist er mit zwei Werken vertreten:


Richard Long „River Avon Mud Circles“, 1984
(Das Bild zeigt noch einen Teil von Barry Flanagans „Plants“) Hier „zeichnete“ Long mit Schlamm aus dem Fluss Avon drei riesige Kreise an die Wand. Ein Werk, das man nicht mehr für künftige Ausstellungen verwenden kann. Alles ist vergänglich.


Richard Long „Wood Line“ 1972
Die Äste in diesem Viereck hat Long in der Umgebung von Bristol, seinem Wohnort, gesammelt.
Der Vollständigkeit halber noch kurz je ein Werk der übrigen zwei Künstler:

Tony Gragg (*1949)

Toniy Gragg „Two Bottles“ 1982
Die Plastikteile an der Wand nehmen die Formen der Flasche auf, die unten auf dem Boden steht.

Bill Woodrow (*1948)


Bill Woodrow
Aus leeren Olivenöl-Blechkanister kreiert Bill Woodrow ein lustiges gelbes Olivenbäumchen. Das tote Vögelchen auf dem Boden zeugt vom verheerenden Umgang des Menschen mit der Umwelt. Ein sehr berührendes Werk.

Ich kann die Hoge Veluwe und das das Kröller-Müller-Museum jedem Natur- und Kunstliebhaber empfehlen. Die Niederlande bestehen nicht nur aus Wasser und flaches Land, sondern es gibt auch ausgedehnte Wälder, vor allem, wenn noch Fahrräder zur Verfügung stehen. Nahezu alle mit Kindersitz versehen.









Kommentare:

  1. Beaucoup aimé cette visite, merci

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  2. Herzlichen Dank für diesen schönen Spaziergang. Mal Inspirationen ganz anderer Art. Und das in so einer schönen Umgebung, sicher eine Reise wert. LG Anette

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  3. und das wetter hat so schön mitgespielt. ein zauberhafter tag.
    lg
    Grietje

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