Freitag, 15. Juni 2018



MINIARTEXTIL

von Bea Bernasconi

MINIARTEXTIL ist eine jährliche Ausstellung kontemporärer Kunst welche die besten internationalen Werke im Bereich «Textile Art» oder «Fiber Art» zusammenführt. Diese Ausstellung wurde 1991 von Nazzarena Bortolaso und Mimmo Totaro in Como (I) gegründet.

In der ersten Ausgabe wurden 30, vorwiegend italienische Künstler, aufgefordert Werke im Kleinformat (20x20x20cm) zu realisieren. Erlaubt war das Material Faden in allen Ausdrucksweisen: Kupfer, Seide, Eisen, Licht, Wolle, Glas.

Installation "Division"; Kionory Shimada (Japan)

Schon die zweite Ausstellung im Jahr darauf, zeigt Präsenz internationaler Künstler, wie Naomi Kobayashi, Shihoho Fukumoto, Aoi Huber Kono, Gyongy Laky, Yvonne Pacanowsky Bobrowicz.

1993 werden bereits fast 100 Werke von ebenso vielen Künstlern ausgestellt.

Installation "BlackCubesSolo"; Katharina  Lehmann (Deutschland)


In den letzten 27 Jahren ist MINIARTEXTIL ständig gewachsen und wird mittlerweile in verschiedenen italienischen Städten, in Frankreich, Spanien, Deutschland und in den USA als Wanderausstellung gezeigt.

Installation "Seeds"; El Anatsui (Ghana)
Installation "Refugio para un Recuerdo II"; Alexandra Kehayoglou (Argentinien)

Einige der Werke der MINIARTEXTIL 2017 die unter dem Thema “Borderline” geführt wurde, waren von Mitte Mai bis Mitte Juni im Textil Museum in Busto Arsizio (I) zu besichtigen. «Borderline», in klarer Anlehnung an «Grenze» verstanden als physische, geografische, mentale und menschliche Grenzen. "Kunst ist die einzige Kraft die imstande ist Grenzen zu überschreiten".

"Interstices"; Xavier Brisoux (Frankreich)

"Beyond Borders";Chikako Imaizumi (Japan)

"Cruz" Amanda Salm (USA)

"Without Thinking" Chip Ikeda (Japan)

"Line" Kaoru Nakano (Japan)
"Silent Playground" Katrina Virgona (Australien)

"In the neighbor's garden" Leyun Wang (Schweden)

"Divisive News" Eszter Bornemisza (Ungarn)

"Circle" Stefano Zaratin (Italien)

"Borderline" Aline Borderau (Frankreich)

"Sin Fronteras" Eli Jiménez le Parc (Frankreich)

"Both Sides Now"Gertraud Enzinger (Österreich)

"Vegetale o Animale?" Heidi Bedenknecht De Felice (Italien)


"No More.." Asuncion Espada ( Spanien)



Mein absoluter Favorit:

"Cup N°4" Magdalena Kleszynka (Polen)

Ich kann mir vorstellen in Zukunft auch kaputtes Geschirr in meine Sammlungen einzufügen.....wohl sehr zum Leidwesen meines Mannes!


Am 14. Mai 2018 ist die Liste der von der Jury angenommenen Künstler für die Ausstellung 2018 bekanntgegeben worden, darunter sind 5 Schweizer Künstler zu finden!

Das diesjährige Thema: «Humans»; Gedanken über die heutige Weltsituation, über den Menschen, seine Arbeit, seine Utopien, Träume und über die zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Künstler wurden aufgefordert über sich selbst als Mensch und als Künstler nachzudenken.

Die nächste MINIARTTEXTIL öffnet in Como ihre Türen vom 29. September bis zum 18. November 2018.

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Das Textil Museum in Busto Arsizio wurde 1997 eingerichtet mit dem Ziel, Maschinen, Produkte und Dokumentationen der industriellen Weberei und anderen verbundener Sektoren der Tradition von Busto Arsizio zu sammeln und dem Publikum zugänglich zu machen. Die ehemaligen Räumlichkeiten des «Cotonificio» (Baumwollspinnerei), ein Gebäude das eher an ein Schloss erinnert mit seinen zwei Türmen und den Zinnen, findet man eine Vielzahl an Maschinen für die Spinnerei und Weberei schon aus den 20er Jahren.

Webstuhl

Fadenlager

Musterordner

Siebdruck Sieb

Interessant fand ich auch die Webetechnik für Jacquard Muster (Joseph Marie Charles 1805), mit Hilfe von Lochkarten wurden eine Vielzahl von Einzelfäden angehoben und ein einziger Arbeiter konnte so mit dieser Maschine komplizierte Muster weben.

Einer der Ausstellungsräume enthält «Neue Fasern» und zeigt ein Panorama der geschichtlichen Entwicklung dieser neuen Fasern und deren Gebrauch in der Bekleidungs-, Wohn-, Raumfahrt-, Transport Industrie, in der Architektur und Medizin, Sport etc.

Ein anderer der zahlreichen Säle zeigt Färbe- und Drucktechniken und enthält ein ganzes Regal voller Holzstempel aus dem 18. bis 20. Jahrhundert der Zucchi (Bassetti) Kollektion,  sicherlich nicht annähernd so faszinierend wie die über 56'000 Stempel im Zucchi Museum, aber über dieses werde ich vielleicht ein anderes Mal schreiben.....

hölzerner Druckblock

Druckblock mit Metalleinlage






















Mittwoch, 13. Juni 2018

Freitag, 8. Juni 2018

Uli Fischer – Textile Objekte

von Isabelle Wiessler



Am Samstag den 3. Februar 2018 folgte ich einer Einladung des Quiltkunst Vereins Deutschland an deren 5. Symposium teilzunehmen. Ich war sehr auf die verschiedenen Vorträge gespannt, unter anderem auf den von Uli Fischer, einem Künstler aus Berlin, der Bildobjekte aus gebrauchten historischen Stoffen anfertigt.

Uli Fischer sprach mithilfe einer Bildpräsentation über seinen Werdegang und seinen künstlerischen Weg zu seinen Arbeiten.

Er hat sowohl ein Textildesign-Studium in Hannover als auch ein Kunststudium in Braunschweig absolviert. Danach arbeitete er in den USA unter anderem als Kolorist. Nach einigen Jahren kam er nach Deutschland zurück und arbeitete an verschiedenen Projekten im Bereich Theater und Film als Filmausstatter, Szenenbildner und Art Director. Währenddessen arbeitete er mit Siebdruck und an monochromer Farbflächenmalerei, wobei das Quadrat im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit stand.

Ab 1992 unternahm Uli Fischer Reisen in Indonesien, Thailand und Burma. Dort kam er das erste Mal mit dem alten traditionellen Gewebe Südostasiens in Kontakt. Er gründete daraufhin eine Galerie mit dem Schwerpunkt auf Tribal Art im Dialog mit zeitgenössischer bildender Kunst. Seine Liebe zu diesen Textilien führte auch zu einer Neuorientierung und zur Konzentration auf das eigene künstlerische Schaffen.

Bei seiner jetzigen Arbeit verbindet Uli Fischer nicht nur seine frühere Beschäftigung mit Textilien, sondern auch seine Vorliebe für Farbfeldmalerei und die Einflüsse aus den verschiedenen Kulturen der Welt. Er verwendet für seine Bilder ausschließlich gebrauchte historische Stoffe, weil diese eine Geschichte haben. Sie besitzen eine Seele und bekommen durch das, was sie „erlebt“ haben, eine besondere Patina. Diese Stoffe werden sehr akribisch von ihm ausgesucht – sie müssen ihn ansprechen, sowohl von ihrem Aussehen als auch von dem, was sie ihm „sagen“.

furoshiki 1950, 80 / 2012


indigo-ayers, 56 / 2011
 
 

Diese Stoffe werden durch seine Hände zu Neuem: „Transforming past into Future“ ist sein Leitsatz. Er formt daraus meist großformatige Bilder, indem er diese Stoffe mit kleinsten Stichen von Hand appliziert oder zusammenfügt und sie, auf den zuvor mit Leinwand bespannten Rahmen näht. Dabei ist ihm sehr wichtig die Gebrauchsspuren zu belassen und sie sogar in Szene zu setzen. Es ist eine sehr minutiöse und zeitaufwendige Arbeit – alles von Hand – Stich für Stich.

paradigm, 92 /  2013

tele static 110 / 2014
 
zerrissen 62, 2011
 
Ich hatte das Glück mit Uli Fischer seine letzte Ausstellung in Berlin Anfang April zu besuchen. So konnte er selbst über seine Bilder sprechen. Er kennt den Ursprung seiner Stoffe sehr genau und versteht es der Haptik und Optik der Oberflächen mit viel Einfühlsamkeit und Spannung neues Leben zu geben. Ob durch eine Kombination einzelner Textilbahnen, durch Applikationen oder durch Aufeinanderlegen verschiedener Stoffe. Dabei möchte er einmal das Durchscheinende eines sehr dünn gewordenen Stoffes zum Ausdruck bringen (Twilight) oder einzelne Risse und Löcher durch sehr gezieltes Einfügen anderer Stoffe in Molatechnik belassen (indigo-ayers).


turners traum 12 / 2017

wohin 131 / 2016


twilight, 120 / 2014

twilight, 120 / 2014 _ Detail

indigo-ayers, 56 / 2011_Detail

Für mich, die sich seit Jahrzehnten mit Stoffen beschäftigt, war es ein äußerst interessanter Blick und eine sehr andere Annäherung an diese Materialien. Diese Bilder berühren mich sehr, man möchte dorthin eintauchen. Ich lade Sie ein Uli Fischers sehr ausführliche Webseite zu besuchen uli-fischer.com und vor allem die nächste Gelegenheit zu nutzen um seine Bilder zu betrachten.



Mittwoch, 6. Juni 2018

Freitag, 1. Juni 2018

Sa Pa Museum

von Grietje van der Veen (Text)
und Astrid Andrey (Bilder)

Wir hatten schon vieles  vom Heimatmuseum in Sa Pa gelesen und einiges erwartet.

Ich hatte unterwegs schon etliche Frauen in traditionellen Kostümen gesehen und war freudig erregt über was mich im Museum erwartete.

Frauen unterwegs in den Reisterrassen von Sa Pa
 Gross war unsere Enttäuschung, als man uns bedeutete, das Museum - wie auch der berühmte Markt - existierten schon lange nicht mehr.

Trotzdem entdeckten wir im ersten Stock des Touristenbüros noch so etwas ähnliches wie ein Museum. Der Anblick war ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Es ist ja bekannt, dass die Aufbewahrung von Textilien vieler Vorsichtsmassnahmen bedürfen. Hier hatte man wohl nur begriffen, dass die Exponate nicht dem Licht ausgesetzt werden durften. Ansonsten hatte man alles so belassen, wie es vor Jahren eingerichtet worden war.

Eine Zeremonie, nicht näher erklärt
Alles war mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Ob das dem Stoff guttut?

Die Kostüme erinnerten mich stark an diejenigen, die ich auf meiner Reise in die Miao-Gegend in China gesehen hatte. In Vietnam gibt es ethnische Minoritäten, die in Höhen von über 1000 m leben. In Sa Pa sind dies u.a. die Hmong, die im 18. und 19. Jahrhundert aus Laos und Südchina eingewandert sind.  Sie gelten als passionierte Reiter und Pferdezüchter und sind ausgezeichnete Handwerker. Die Männer arbeiteten mit Silber, Bronze und Edelsteine, die Frauen waren bekannt für ihre Stickereien. Da sie keine eigene Schrift hatten, bekamen die Rituale einen hohen Stellenwert. Je nachdem, wo sie sich niedergelassen hatten, einigten sie sich auf ein bestimmte Farbe. Rundum Sa Pa z.B. dominiert das dunkle Indigo, Dort nennt man sie die Schwarzen Hmong. Die blauen Hmong rundum Cao Bang verwenden zarte Farben, die sich kontrastreich gegen die dunkle Kleidung abheben. Die Flower Hmong hingegen bevorzugen bunte mit Perlen bestickte Kleidung. 

Teil eines Jäckchens. Im Hintergrund Fotos von Zeremonien


Da die Beleuchtung schlecht war, war es ncht einfach, einigermassen gute Bilder zu schiessen
Gut dokumentiert war die Korbflechterei.
Ein "Rucksack"-Korb in Arbeit




Ich konnte auf dem Abendmarkt so ein Körbchen ergattern. Es ist genauso staubig, wie diese. aber die Formen sind sooo schön

Dies ist ein traditioneller Batikstoff der ethnischen Gruppe Hmong Dao. Sehr schön!

Eine einfache Shibori Arbeit. Die Streifen sind das Resultat einer genähten Reservierung.die Kreis abgebundene

Viel Platz wurde dem Thema "Mädchenunterricht in traditionellem Sticken" gewidmet. Hier lehrt die Grossmutter ihrer Enkelin das Sticken komplizierter Muster. Die Mädchen müssen lernen, die Fäden zu zählen, denn die sind wichtige für das Resultat.


Diese Flasche fanden wir im Touristenzentrum. Sie enthält eine Rabe in einer Flüssigeit. Unten ist ein Ventil, wo man die Flüssigkeit auslaufen lassen könnte. Medizin?? Es war niemand da, der uns Auskunft geben konnte.



Genauso fremd anmutend diese "marinierten" Echsen


Es ging auch "normal" zu. Hier unten seht ihr einen Teil eines weiten Plisseerocks