Freitag, 17. Juli 2015

Eine besondere Zusammenarbeit!

von: Gabi Mett

Viele KünstlerInnen setzen sich nicht nur mit ihren eigenen Ideen und Bildern auseinander. Sie planen Projekte mit Gruppen unterschiedlichster Couleur, setzen ihre Kreativität ein, um Ideen, seien sie politischer, kirchlicher oder sonstiger Art, erfolgreich umzusetzen. Nicht wenige KünstlerInnen befassen sich mit Arbeiten für private und öffentliche Auftraggeber. Auch ich habe im Laufe der Jahre solche Auftragsarbeiten angenommen. So entstand meine größtes Werk, das seit langer Zeit über zwei Etagen im öffentlichen Bereich einer deutschen Krankenkasse hängt. Es hat die Größe von 120 x 570 cm. Leider kann ein Photo diese Arbeit nur unzureichend wiedergeben. Auch für Privatleute habe ich gearbeitet. Es ist immer wieder ein Abenteuer, diesen Prozess von der Anfrage bis zur ersten Idee und dann den Weg der Realisierung bis zur Fertigstellung und Hängung zu durchleben.

Über eine besondere Zusammenarbeit möchte im Folgenden berichten. Im Jahr 2009 bekam ich eine Anfrage von der evangelischen Kirche in Essen mit dem Wunsch, ein Gespräch über eine mögliche Zusammenarbeit zu führen. Da ich grundsätzlich ein neugieriger Mensch bin, sagte ich zu. Bei diesem Gespräch mit Pfarrer Christoph Ecker und Pfarrerin Ursula Thomé stellte sich heraus, dass die Evangelische Kirche, Kirchenkreis Essen, und der Gemeindedienst für Mission und Ökumene der evangelischen Kirche im Rheinland im Jahr 2010 - in diesem Jahr war die Stadt Essen und das Ruhrgebiet zur europäischen Kulturhauptstadt ausgewählt worden - eine internationale Partnerschaftsbegegnung unter dem Thema: „Gewalt überwinden - für eine Kultur der Versöhnung „ veranstalten wollte. Menschen aus 12 Ländern, mit unterschiedlichsten Glaubensrichtungen sollten eingeladen werden, um drei Wochen miteinander das Thema Gewalt in all seinen Facetten auszuloten und nach Wegen der Prävention in den eigenen Ländern zu suchen.


Wo aber sollte nun meine Aufgabe liegen?

Es wurde nach einer Möglichkeit gesucht, in dieser Zeit gemeinsam etwas miteinander zum Thema praktisch zu gestalten. Im Verlauf des Gespräches flossen viele Ideen ein, eine kristallisierte sich aber sehr schnell als machbar heraus. Ich machte den Vorschlag, dass aus jedem Land ein Stück Stoff in der Größe von 1 x 1m mitgebracht werden sollte. Ich wollte daraus dann ein gemeinsames Ganzes formen in Gestalt eines Wandbehangs. Klare Vorstellungen, was da auf mich zukommen würde, hatte ich zwar nicht, aber die Idee hatte mich gepackt. Zu dieser wurde dann noch eine weitere entwickelt. In kleinen Gruppen sollten die TeilnehmerInnen an einem Tag gemeinsam mit mir, Schülern und Lehrern Banner zu den einzelnen Themenbereichen gestalten.

Diese beiden Ideen wurden konsequent weiterentwickelt. Ich traf mit Schülern zusammen, die gemeinsam mit mir und ihrem Lehrer, Pfarrer Günter Thomé, das Thema und die Möglichkeiten der Realisierung erörterten.

Meine Hauptaufgabe kam aber dann mit Beginn der Konferenz auf mich zu. Nachdem alle TeilnehmerInnen angekommen und sich mit ihren Stoffen vorgestellt hatten, wurde mir das große Paket übergeben. Vor mir lagen völlig unterschiedliche Stoffe aus Chile, Namibia, Bosnien, Indien, Brasilien, Uganda, Tschechien, Deutschland, dem Kongo und El Salvador. Mir blieben genau 16 Tage Zeit, um daraus ein überzeugendes Werk zu schaffen. Davon fielen 4 Tage weg - ich hatte noch einen Workshops zu geben - , also ganze 12 Tage. Eine erste kleine Skizze brachte mich auf dem Weg. Die Größe und das Querformat waren vorgegeben. Damit konnte ich also schon einmal gut starten. Ich hatte dann die Idee, aus allen Stoffen ein Kreuz in Patchworktechnik zu nähen. Die einzelnen Stoffstücke sollten mit einem gelben Baumwollstoff gestalterisch verbunden werden. Dieses Kreuz sollte vor einem dunklen Hintergrund stehen, der Gewalt, Angst und Terror symbolisieren sollte. Ich hatte da einen ganz bestimmten Batikstoff in Schwarz - Rot im Auge, den ich schon in einer anderen Arbeit benutzt hatte. Wie aber konnte ich das Ganze zu einer positiven Aussage bringen? Die Gefahr, die Gewalt sollte überstrahlt werden von einem Lichtkranz, der Hoffnung symbolisiert. Batikstoffe in warmen Farben wollte ich dafür einsetzen.


Tatsächlich habe ich es in der kurzen Zeit geschafft, die Idee umzusetzen. Die Arbeit floss mir förmlich aus den Händen, keine Anstrengung , keine Müdigkeit. Dann endlich war es soweit. Vor dem letzten Wochenende der Veranstaltung habe ich das Werk der Gruppe übergeben. Alle waren begeistert und berührt. Mit unserer Idee hatten wir den Nerv dieses Zusammentreffens auch in diesem Altartuch getroffen. Es wurde zu einem Mittelpunkt dieser Begegnung.

Altartuch
 


 


 
 
Das Altartuch hat nun seinen Platz in den Essener Kirchengemeinden gefunden, die es für Messen oder Andachten ausleihen können.

Die Friedensbanner , die ich hier auch zeige, sind ebenfalls noch entstanden. Es war eine gute Erfahrung, Menschen aus so vielen unterschiedliche Nationen und Glaubensrichtungen, Männer, Frauen und Jugendliche, gemeinsam malen zu sehen.
 


Gerechtigkeit und Frieden küssen sich



 
Schaffe Gerechtigkeit den Schwachen und Waisen


Es ströme das Recht wie Wasser


Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein


Hunger und Durst nach Gerechtigkeit


...und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens


Das Wort von der Versöhnung


Christus ist unser Frieden
 
Auf der größten Friedensversammlung in der Geschichte des ökumenischen Rates der Kirchen in Jamaika im Jahr 2011 wurden diese Friedensbanner, bald auch "The Essen Banner" genannt , von Pfarrerin Ursula Thomé präsentiert. Im Jahr 2013 wurde zu diesem Partnerschaftstreffen noch eine 66 Seiten starke Broschüre herausgebracht. Darin sind Materialien für Andachten und Gottesdienste enthalten. Sollten Sie daran interessiert sein, schicke ich Ihnen gerne ein Heft zu.

Alle Fotos: Markus Malangerie

 

Kommentare:

  1. Toll was in so kurzer Zeit entstehen kann, wenn es aus dem Herzen kommt ..... Ich finde das Altartuch und die Banner sehr beeindruckend!

    An dieser Stelle einmal ein Lob für diesen Blog an sich, ich finde alle Beiträge ungemein bereichernd. Vielen Dank.

    Christine V.

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  2. Liebe Christine,

    ja, es sind wirklich besondere Momente, wenn eine solche Arbeit entsteht. ich werde diese Woche sicherlich nicht vergessen.

    Und vielen Dank für die positive Rückmeldung zum Blog.

    herzliche Grüße Gabi

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  3. Welch ein aussagkräftiges Altartuch und welch eine besondere Zusammenarbeit. Dass so etwas unvergesslich sein wird, ist sicher. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine ganz eigene Energie bei dieser Zusammenarbeit entstanden ist. Ein wunderschöner Quilt, der etwas Besonderes ausstrahlt. Und die Friedensbanner dazu sind wirklich sehenswert. Danke für diesen interessanten Beitrag. Herzliche Grüße Anette

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