Freitag, 30. Januar 2015

Ein Streifzug durch die Welt der Tapisserie

von: Gabi Mett

Das Jahr 2015 fängt gut an. Die Verabredung mit einer Freundin führt mich nach Dortmund, einer in vieler Hinsicht interessanten Stadt im östlichen Ruhrgebiet, die nicht nur durch den Fußball und das neue Fußballmuseum international bekannt ist.

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte ist immer wieder einen Ausflug wert und so sollte es auch dieses Mal sein. Textil.Bild.Kunst. - Das textile Wandbild nach 1945 so lautet der Titel der Ausstellung, die vom 29.11.2014 bis zum 22.3.2015 dort zu sehen ist . Ich möchte zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich auf diese Ausstellung zu sprechen kommen und auch zu den Kommentaren im Katalog, die nach eigenen Erklärungen für die geringe Akzeptanz der Textilkunst in der heutigen Zeit suchen. 


Mich hat diese Ausstellung, in der Tapisserien einen Schwerpunkt bilden, an die Geschichte dieser Kunstform denken lassen. Zu Hause nehme ich mir ein Buch vor, dass diese Geschichte sehr eindrucksvoll mit vielen Abbildungen belegt: Barty Phillips, Tapestry, 1994, Phaidon Press Limited. Darf ich Sie auf einen kleinen Spaziergang durch die Jahrhunderte mitnehmen? Dieser Rundgang ist sehr subjektiv und keineswegs repräsentativ Ich finde es aber immer wieder schön, sich von der Ausdruckskraft textiler Bilder begeistern und inspirieren zu lassen und auch den Blick auf andere textile Gewerke zu richten.
 
Kaiser mit persischen Gefangenen, Ägypten, 25,5 x 25,5,cm, aus einem Grabtuch kurz nach Chritsi Geburt

Wie detailreich und ausdrucksstark sind hier die gestalterischen Mittel eingesetzt!
 
Hase, 3. - 4. Jahrhundert n.CH., Ägypten, 22 x 21 cm, Wolle

Ein wunderschönes, fast schon fröhliches und überzeugendes Motiv.

Fragment mit Vögeln und Monstern, ca 1300 n.Ch., Deutschland oder Schweiz, 54 x 51 cm, Wolle

 Eine interessante Zusammenstellung, die auch ein wenig schmunzeln läßt.
 
Pferdedecke (?), 14. Jhd., Chancay, Peru, 127 x 76 cm


Abstraktion und Ausdruckskraft in Vollendung. Diese Arbeiten begeistern mich immer wieder neu.

Der junge Christus mit Weintrauben, spätes 15. Jhd., Brüssel, 40 x 42 cm, Wolle und Metallfäden, Detail


Ein sehr ausdrucksstarkes Portrait, aber gewirkt und nicht gemalt. 

An dieser Stelle eine kurze Erklärung zu wirken und weben. Beim Weben wird der Schußfaden über die gesamte Breite geführt, beim Wirken wird der Faden nur über die Breite des Motivs geführt. Es entstehen kleine Schlitze, die in die Gestaltung mit eingebaut werden oder, wenn sie länger als 5 cm sind, nach Abschluß des Werkes zusammengenäht werden.

Inka, 14. oder 15.Jhd, 51 x 40 cm, Detail

 Diese Muster schaue ich mir immer wieder gerne an.
 
Flämische Mille Fleurs Tapisserie, spätes 15.Jhd, 360 x 290 cm, Detail, Wolle

 Ein Reichtum und eine Freude am Detail.

 
Wilde Frau mit Einhorn, 1500, Schweiz, Wolle, 75 x 63 cm, Detail

Ich habe auch hier versucht, ein wenig die Details hervorzuholen. Es läßt sich so vieles in diesen Bildern entdecken.

Ausschnitt aus einer Bordüre mit Blättern, Blüten und Weintrauben, 15.Jhd.,Brüssel, 270 x 240 cm

Auch die Oberfläche lässt die Tapisserie leben.

Herbst,ca.1611, Doddington, Gloucestershire, 330 x 410 cm, Detail, Wolle

   Auch hier feinste Detailarbeit.

Die Verkündigung, ca.1800, Südschweden, 47 x 98,5 cm, Detail, Wolle

 Wunderschöne reduzierte Formen aus der schwedischen Volkskunst.

Kelim, ca.1850, Anatolien, Türkei, 160 x 130 cm,
 

Was für eine lebendige Gestaltung. Schauen Sie sich einmal die spielerische Mitte an.
 
Wein und Acanthus, William Morris, 1879, Kelmscott Manor, Oxfordshire, 190 x 240 cm, Detail

Nun nähern wir uns mit Riesenschritten dem 20. Jahrhundert. William Morris wird als der erste Neubeleber der Tapisserie angesehen.

Mille Fleurs Teppich, 19.Jhd., Süd-West-Persien

Noch einmal ein wunderschönes Beispiel für Detailreichtum und Gestaltung.

Bauhaus Tapisserie, Max Pfeiffer-Watenphul, 1920-21, Deutschland, 137 x 76 cm

Auch ein sehr überzeugendes Beispiel im Sinne der Bauhaustradition. 

Amphytrite, Raoul Dufy, 1930, Aubusson, Frankreich, 240 x 200 cm, Detail

Sehr malerisch wirkt dieses Werk.
 
Hills and Skies of love absence, Maureen Hodge, 1977, Dovecot Studios, GB, 155 x 94 cm

Ein Kontrast mit extremer Reduzierung und einer komischen Note. 

Navaho Teppich, Irene Williams, 1980, New Mexiko, 79 x 72 cm

Eine moderne Arbeit, die die Traditionen aber sehr klar erkennen läßt.
 
Key, John Firth-Smith, 1981, Victorian Tapestry Workshop, Australien, 240 x 240 cm

Ein sehr modernes Werk.

Meine viktorianische Tante, Archie Brennan, 1986, Dovecot Studios, GB, 150 x 120 cm, Detail

Detail einer Arbeit des in vieler Hinsicht richtungsweisenden Engländers. 

Abstrakt, William Jefferies, 1986, London, GB, 180 x 130 cm

Detail an dem man sehr schön die unterschiedlichen Ebenen und die Reliefbildung beobachten kann.
 
Please leave, Inger Aberg, 1987, Schweden, 120 x 120 cm, Detail

An eine Kinderzeichnung erinnernde Gestaltung, die Kettfäden sind nicht immer ganz bedeckt.

Soft Amour, Justine Randall, 1990, GB, 180 x 180 cm, Wolle, Leinen, Baumwolle,

Rätselhaftes!

Tomorrow, Cigdem Gürel, 1990, Deutschland, 230 x 370 cm
Diese Künstlerin habe ich noch persönlich kennengelernt. Sie hat das quadratische oder rechteckige Format aufgehoben und einen Weg gefunden, frei mit einer Form zu arbeiten. Leider ist sie viel zu früh gestorben.

 
Kelim, Kate Blee, 1992, Anatolien, 240 x 140 cm, Detail

An dieser Arbeit hat mich der Minimalismus interessiert.Wenn man genau hinschaut, macht gerade die Unregelmäßigkeit der Linien und Flächen diese Arbeit so lebendig. 

Bei den aufgeführten Werken und Künstlern fehlen einige, die für diese Richtung im 20. Jahrhundert wegweisend waren. Ich werde versuchen, sie im Laufe des Jahres vorzustellen und auch ganz aktuelle Tendenzen aufzugreifen.

Alle Abbildungen entstammen dem oben aufgeführten Buch.

Kommentare:

  1. Herzlichen Dank für diese tolle Bilderflut.Ich bin immer wieder erstaunt, wie alt teilweise solche Werke schon sind und mit welcher Fantasie auch die Menschen früher schon ein eigenes Design erstellt haben. Es war eine schöne Lehrstunde, die ich bestimmt nicht das letzte Mal gelesen habe. Bin gespannt auf weitere Bildwirkereien. Herzliche Grüße Anette

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  2. Liebe Anette,

    mir geht es genauso wie dir. Es ist immer wieder faszinierend, textile Bildwerke aus den vergangenen Jahrhunderten neu zu entdecken.

    Dir eine gute Zeit Gabi

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