Freitag, 28. April 2017

Yangka

von Judith Mundwiler

Wenn Sie heute den Blog lesen, beginnt bei uns in der Schule bei Thimphu unser Unterricht.
Ich habe Ihnen hier einen Film zum anschauen. Im Film wird der Junge Yangka vorgestellt. Er geht in der Choki Traditional Art School zur Schule. Hier sind im Moment Gabi und ich am unterrichten. Sie sehen hier auch ab und zu die Schulleiterin Sonam. Bei ihr sind wir diese vier Wochen nun zu Gast.
Und vielleicht lerne ich ja Yangka persönlich kennen, wenn er nicht schon als grosser Malmeister für die Regierung arbeitet.
Lesen sie dazu auch sein Interview:
Steckbrief von Yangka HIER



Und HIER geht es zum Film über den aufgeweckten Jungen.

Yangka zu Besuch im Tempel. HIER

Ich wünsche Ihnen eine spannende Reise durch die farbenfrohe Bilderwelt!

Mittwoch, 26. April 2017

Freitag, 21. April 2017

Textile Graffitis




Gästeblog
Einmal pro Monat erhält eine der Künstlerinnen welche für Teximus 2 nominiert war, die Gelegenheit sich und ihre Werke vorzustellen. 
Die erste in dieser Reihe ist:

Bea Bernasconi

Ich bin ausgebildete Krankenschwester und habe ein Diplom in Management von klinischen Studien. Ich arbeite Teilzeit als Studienkoordinatorin.

Genäht habe ich eigentlich schon immer, das hat angefangen als Kind wo ich aus den weissen Vorhängen in unserem Wohnzimmer das Hochzeitskleid für meine Puppe rausschnitt, sehr zum Ärger meiner Mutter. Meine erste Nähmaschine habe ich mir während der Ausbildung zur Krankenschwester gekauft. Auf ihr habe ich mir meine ersten Kleider selber genäht, später waren es dann eher diejenigen für meine drei Kinder.
1996 bin ich durch Zufall in London auf ein Buch von Kaffee Fasset gestossen. Ich war begeistert! Anfangen hat es also wie bei vielen mit eher traditionellem Patchwork. Ich war dann aber schnell einmal frustriert, alles was ich da nähte, war oder wurde von Anderen in verschiedener Farbzusammenstellung oder Kombination genauso genäht.  Ich beschloss meine eigenen Werke zu kreieren.
Mein allererster Quilt
Ich besuchte Workshops mit verschiedenen international bekannten Künstlerinnen bei welchen ich die verschiedensten Techniken und Materialen kennenlernte und begann zu experimentieren. Eine wichtige Station in meinem künstlerischen Werdegang war sicher eine Masterclass mit Linda Colsh in der ich nicht nur viel über Design erfuhr sondern auch den Mut fand meinen eigenen Weg zu finden und ihn auch zu gehen. Dazu kommen die vielen Kontakte mit Personen die sich mit Textilkunst befassen.  
Ich habe mich neben der Textilen Kunst auch immer wieder für andere Kunstrichtungen interessiert, hier und da mal was ausprobiert, mich auch begeistert, aber schlussendlich bin ich immer wieder zum Textilen zurückgekommen. Nähen ist für mich eine Notwendigkeit geworden, eine Art Sucht.
Alle meine Arbeiten sind vorwiegend aus Stoff. Ich benutze mittlerweile fast nur noch weisse alte Bettlaken als Basis. Diese werden gefärbt, entfärbt, gebleicht, gerostet, bedruckt, bemalt mit den verschiedensten Techniken. Kommerziell bedruckten Stoff brauche ich selten mehr. Dazu kommen Organza, Seide, und allerlei gesammeltes Zeug. Papier ist ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeiten. Ich sammle allerhand Material, dazu gehören Zeitungen aus allen Ländern die ich bereise, aber auch rostige Nägel und Bierdosen oder andere Fundstücke die in meine Arbeiten integriert werden.
Die Inspiration finde ich in meiner Umwelt, alte verwitterte Mauern, abblätternde Farbe, Graffitis, interessante Begegnungen, Geschehen die mich beschäftigen.
"small walls"
Ausser die Umstände erfordern es, habe ich selten ein Projekt, meine Werke entstehen spontan, intuitiv, ohne vorheriges Konzept. Einer Idee folgend experimentiere ich, verbinde Teile, schichte, nähe und sticke bis mir das Resultat gefällt. In vielen von meinen Werken findet man Texte, teils reduziert auf einzelne Worte oder sogar nur Buchstaben; es sind Fragmente geheimnisvoller Geschichten zu welchen sich der Betrachter seine Gedanken machen und seine eigene Geschichte schreiben soll. Meistens arbeite ich in Serien, im Moment an „Faces“ inspiriert haben mich dazu Fotografien von Gesichtern von welchen ich Zeichnungen anfertige diese nähe und sie mit Papier und Stoffresten ergänze.
"Incontri"
Sicherlich wäre es wünschenswert wenn die Textilkunst in der Öffentlichkeit besser anerkannt würde. Wenn ich erzähle ich sei eine Textilkünstlerin haben die wenigsten Leute eine Ahnung was das heisst. An gemeinsamen Ausstellungen mit Künstlern von Anderen Kunstrichtungen sind die meisten Besucher erstaunt was man mit Stoff oder anderen textilen Fasern alles machen kann. Hier im Tessin ist es eher schwierig auszustellen; bevorzugt werden Malerei, Fotografie oder Skulptur.
Die Herausforderung an Projekten mit anderen Künstlern zu arbeiten nehme ich regelmässig an. Es ist immer wieder faszinierend mit Anderen, mir vorher meist unbekannten Personen, Themen auszuarbeiten und sich dabei zum Beispiel an gewisse Vorgaben zu halten. Der konstruktive Austausch ist eine bereichernde Erfahrung und ich lerne immer wieder neue interessante Leute kennen.
Ich könnte mir zwar vorstellen Anderen eine Technik zu vermitteln, ich wüsste aber nicht wie ich ihnen erklären könnte was in mir vorgeht während des kreativen Prozesses welcher schlussendlich zum Endresultat eines Werks führt.
Es gibt ein reiches Angebot um sich verschiedene Techniken und Grundwissen anzueignen, was jemand mit dem Gelernten macht ist dann die persönliche Kreativität, welche aus meiner Sicht nicht weitergegeben oder studiert werden kann.
"Gennaro's secret"
 Und übrigens, das Bild vom Wordless Wednesday ist ein Bildausschnitt von „Akina Mame“

Freitag, 14. April 2017

Textile Texturen

von Grietje van der Veen

Wie versprochen gebe ich hier eine kleine Übersicht über die Möglichkeiten, Stoffen eine Struktur zu geben, damit eine Tiefenwirkung entsteht. Ich habe diese Techniken bis anhin hauptsächlich bei Wandbehänge angewendet. Ideal sind sie eigentlich für dreidimensionale Objekte. Etwas, auf das bei mir mehr und mehr in den Fokus rückt.

Im kommenden November werde ich an der SOFA in Chicago einen Teil meiner Werke ausstellen. Dort werde ich hauptsächlich Werke zeigen, die diesen Techniken zugrunde liegen.

Nun zeige ich einige Probestücke und Details meiner Werke und beschreibe kurz das Verfahren.

Lange seidene Stoffstreifen sind umwickelt mit Paketschnur, wobei die Enden in der Mitte offen hängen.  
Nochmals umwickelte Stoffstreifen, die zu Kreisen gebildet wurden
Hier habe ich dicke Schnüre mit Stoffstreifen umwickelt. Die Blüten bestehen aus Filzwolle auf Tüll.
Mehrere tranparente Stoffe und Spitze aufeinander geschichtet und von Hand und mit der Maschine bestickt
Bemaltes Vliesofix, Handstickerei und mit Filzstift gemalte Vögel
Bemaltes Vliesofix auf Nylon Chiffon, Goldfolie, auf Samt geföhnt
Bemaltes Vliesofix als Hintergrund, Handstickereien, Tyvekblüten, mit der Maschine gequiltet
Sorbello-Stich mit verschiedenen Materialien gestickt
"Forest Fringe", Foto auf Stoff ausgedruckt, mit Tyvek und Garnen weiter bearbeitet.
Tyvek, Garne, Mull; handbestickt
Tyvek, Stoffstreifen und Garne auf einem Rahmen gewoben, erhitzt und dann mit der Maschine weiter bearbeitet.
"Lagune", die Inseln bestehen aus Stoff- und Garnresten, auf  wasserlöslichem Vlies gestaltet. Dann auf handgefärbtem Stoff arrangiert. 
Probestück; Garnreste und mit der Maschine umwickelte Schnur  auf wasserlöslichem Vlies und Tüll geschichtet, mit der Maschine zusammengenäht.
Ausschnitt "Lavaux" Tyvek, Stoffreste, umwickelte Schnur. Grosszügig bestickt.

Tyvek, Polyestersamt mit Lötkolben geschnitten, handbestickt und mit der Maschine gequiltet.
"Sturmgefahr", Ausschnitt, Vliesofix und Vlieseline gefärbt, Stoffschnippsel, Handstickereien.
"Landscape", Ausschnitt, Tyvek, Stickereien
Abgesehen vielleicht von den Umwickelungen werden sämtliche hier vorgestellte Techniken  im Kurs "Experimentelle  Oberflächengestaltung" in Samnaun angewandt..

Mittwoch, 12. April 2017

Montag, 10. April 2017

In eigener Sache

von Grietje van der Veen

Nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, keine Kurse mehr zu geben. Die Vorbereitungen für "teximus 2" und die Kurse haben sehr viel Zeit beansprucht. Mit der Folge, dass die eigenen Arbeiten in der letzten Zeit zu kurz gekommen ist. Ich vermisse das. Daher habe mich umorientiert und werde künftig hauptsächlich kreativ tätig sein. Ende April 2017 ist noch ein Shibori Workshop vereinbart. Dieser wird selbstverständlich noch durchgeführt.

Das gleiche gilt für den Wochenkurs in Samnaun vom 9.-15. Juli 2017. Da mein Atelier materialmässig noch überquilt, bringe ich praktisch alles Notwendige für die KursteilnehmerInnen nach Samnaun mit. Die Materialliste wird für diese also angenehm kurz sein.

Zur Erinnerung:

Parallel zum Kurs von Trudy Kleinstein gebe ich einen Kurs unter dem Titel „Experimentelle Oberflächengestaltung“. Fünf Tage lang werden textile Texturen kreiert, mit den verschiedensten Materialien aufgebaut und geändert. Diese bilden dann die Basis für  Gebilde, die entweder für die Wand  oder als dreidimensionale Objekte bestimmt sind. Von Hand oder mit der Nähmaschine bestickt und eventuell mit Glasperlen oder anderen kleinen Objekten oder Fundstücke versehen, erhalten die Texturen nochmals einen besonderen Hauch.

Es ist ein Kurs für alle. Sowohl für diejenigen, die gewohnt sind, eigenständig einen Entwurf zu realisieren. Als auch für jene, die sich in dieser Hinsicht (noch) unsicher fühlen. In jedem steckt ein Künstler, auch in denen, die dies nicht wahrhaben wollen. Wir kitzeln ihn raus!

Es gibt noch freie Plätze. Informationen erhalten Sie HIER sowie vom Flyer weiter unten

Bildmaterial, das einen Eindruck gibt über was im Kurs möglich wäre, werde ich am kommenden Freitag posten

grietje@textileart.ch

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English:

After careful consideration I have decided to stop giving courses. The preparations for the exhibition "teximus 2" plus the workshops have taken a lot of my time so that I had to neglect my art. From now on, I will dedicate most of my time to creating new artwork.

At the end of April 2017 a Shibori course ist scheduled. This workshop will be held of course.

The same goes for the 5-days' course "Expereimental Surface Design" in Samnaun from 9th.-15th of July 2017. A course that runs nexto to Trudy Kleinstein's course "Leaves".  As my studio flows over with stuff, I 'll provide nearly all the material needed for this workshop to the students. So they can travel light.

During five days you’ll create textile textures that are built up with all kind of material. These build a base for further experimental alterations meant for wallhangings or 3-D objects. By stitching by hand and machine and adding beads or found objects the texture can further be enhanced.

This is a course for all levels. For those who are used to carrying out a design by themselves. But also for those who think they easily lose their way. I will gladly guide you through the days.

Photos that give an impression of what is possible in this course will be posted on Friday.

Further information on this workshop: HERE and from the Flyer below:


Freitag, 7. April 2017

Reise ins Land des Donnerdrachens

von Judith Mundwiler

In zwei Wochen beginnt unser grosses Abenteuer: Die Resie nach Bhutan steht vor der Türe!
Nach einer intensiven Vorbereitungszeit sind Gabi und ich gerüstet für unsere vier Wochen Unterricht an der Traditional Art School in Thimpu.
Was mit einem Mail von Sabine Scheiner, Bernina Schweiz, am 18. Februar 2016 begonnen hat, nimmt nun seinen Lauf. Sabine kam mit der Anfrage zu mir, ob ich in  Bhutan vier Wochen unterrichten möchte.

Die Anfangsidee von Arianne Moser, Verwaltungsrätin BERNINA, lautete etwa so:

Wie angekündigt, möchten wir in diesem Jahr Nähklassen bei CTAS laufen. Wir planen zwei Klassen von jeweils 4 Wochen. Inhalt sind Kreativität im Sinne von Ideen für neue Produkte entwickeln, sowie Nähfertigkeiten zu üben, um diese Produkte realisieren zu können.
Die Idee für diese Nähklassen wurde geweckt nach dem Besuch des Creativzentrums in Steckborn. Dort haben wir viele Ideen bekommen, wie leicht traditionelle Gegenstände an den westlichen Geschmack angepasst werden können, indem man nur verschiedene Materialien (matte Baumwolle anstelle von glänzender Seide) verwendet oder traditionelles Design oder Stickerei in Produkten für den täglichen Gebrauch integriert.

Zuerst musste ich mal leer schlucken und nachschauen, wo dieses Land überhaupt liegt. Ich erkundigte mich im Internet über Menschen und Kultur und war sofort fasziniert von diesem Land.

Ich fand beim recherchieren das Buch, welches am Mittwoch abgebildet war:
Fabric of Life, von Karin Altmann
Es ist gefühlte zwei Kilo schwer und hat etwa 450 Seiten. Darin findet man alles, was rund um Textiles in Bhutan existiert. Eine wahre Fundgrube für Interessierte an Textiler Tradition, Farben und Materialien.
Sie können hier ins Buch hineinschauen


Ich fragte Gabi, ob sie mit mir dieses Abenteuer wagen würde und sie sagte spontan zu.
Das war der Start zu einem weiteren gemeinsamen Projekt von Atelier M+M.
In vielen Gesprächen, Mails und Skype Sitzungen mit der Schulleiterin Sonam Choki, der Verwaltungsrätin von Bernina, Arianne Moser und dem Stiftungspräsidenten Mario Fontana, kristallisierte heraus, wie sich sich unser Unterrichtsauftrag und unsere Ideen verwirklichen lassen können.

Während mehreren Wochentreffen stellten Gabi und ich unsere Unterrichtseinheiten zusammen, probierten Techniken und Gegenstände aus und haben nun unser Programm festgehalten, schon Stoffe zugeschnitten und nach Themen geordnet verpackt.








Vor zwei Wochen schickte ich ein Riesenpaket mit Material auf den Weg nach Bhutan. Ich bekam von einer Schule aus dem Oberbaselbiet eine ganze Menge Klettverschluss und Stickgarn geschenkt. Dann packte ich aus meinem Atelier Maschinenstickgarne, Metallic Stickgarne, Nähmaschinen Nadeln, Stickscheren, Vliesofix und Vlieseline dazu. Das Riesenpaket brachte ich nach Deutschland, weil von dort aus das Porto günstiger war, als aus der Schweiz.
Vor ein paar Tagen ist das wertvolle Paket angekommen.
Vielleicht haben Sie ja Interesse, unser Projekt finanziell zu unterstützen? Wir sind für alle Zuwendungen sehr dankbar!







Wir werden unsere Reise und den Aufenthalt in Bhutan dokumentieren und in irgendeiner Form später öffentlich zugänglich machen.
Während dem Aufenthalt werde ich auf facebook ab und zu berichten. Also, vielleicht möchten Sie uns so begleiten?

Ich gebe Ihnen hier noch ein paar Links:

Schule: CHOKI TRADITIONAL ART SCHOOL
Film über die Schule
Film über Bhutan, der kürzlich im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde: Im Reich der glücklichen Donnerdrachen

Mittwoch, 5. April 2017

Freitag, 31. März 2017

Entdeckungen

von:
Gabi Mett

Bei dem Studium des Katalogs zur Art Karlsruhe wurde ich auf den folgenden Künstler aufmerksam: Olaf Holzapfel.



Insbesondere seine sogenannten Chaguarbilder haben mich neugierig gemacht.







Ich habe hier für mich einen Künstler entdeckt, der auf verschiedenste Art und Weise seinen Ideen Ausdruck verleiht und im weitesten Sinne textil arbeitet. Dazu zählt für mich auch das Zusammenfügen von Holzbalken zu einem Fachwerkraum oder das Verarbeiten von Stroh.


 
 

Bei diesem Werk musste ich an eine kleine Stickerei denken, die mit dem Boullionstich gearbeitet worden ist.


 
 
Was passiert, wenn man die Dimensionen ändert? Wenn man größer und noch größer arbeitet und dabei auch mit großem körperlichem Einsatz seine Kunst angehen muss? Ändert sich damit auch das Denken oder in der weiteren Folge die Ideen? Vielleicht probieren Sie es einmal aus.

Schauen Sie sich doch noch weiter auf seiner Webseite um oder lesen Sie hier weiter.

Mittwoch, 29. März 2017

Freitag, 24. März 2017

Was bleibt?

von TAFch

Nun ist wirklich alles schon vorbei. Was bleibt, sind wunderschöne Bilder und der Eindruck, mit dieser Ausstellung einen grossen Schritt in Richtung der angestrebten Ziele von TAFch gegangen zu sein.

Zu sehen und zu entdecken waren 42 Arbeiten von 31 Künstlerinnen. Bereits an der Vernissage hatten sich um die 200 Besucher auf den Weg gemacht, sich die Werke anzuschauen und mit den Künstlerinnen in Kontakt zu treten. Insgesamt konnten an den Tagen etwa 1100 Besucher gezählt werden. Diese Zahl ist beeindruckend. Es fiel auf, dass nicht nur Frauen den Weg gefunden hatten, sondern auch sehr viele interessierte Männer angesprochen werden konnten. Ebenfalls auffällig waren die zahlreichen jungen Besucher.


Jeanine Hug      Hirschsequenz


Die Werke zeigten ein grosse Bandbreite künstlerischen Schaffens, was immer wieder zu intensiven Gesprächen und Auseinandersetzungen bei den Besuchern führte. Dies wiederum kam dem ausgelobten Publikumspreis zugute. Mehr als 500 Stimmen wurden abgegeben. Wie schon berichtet ging der Preis und damit das Preisgeld in Höhe von 500 CHF  an Beatrice Lanter mit ihrer Arbeit „hinten III - bunt“, dicht gefolgt von Beatrice Streuli mit dem Werk „ Samen - durchbrochen“ und Bea Bernasconi mit den „Forgotten Stories“.



Heidi Imsand    Letters I `ve written...

Die Gewinnerin des Jurypreises haben wir Ihnen ja bereits vorgestellt. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle noch die Begründung darlegen:
Die Künstlerin interpretiert auf innovative Weise das Zusammenfügen einer in diesem Fall imaginären Fläche und ihr gelingt es, alltägliches Material wie Moosgummi, Tüll, Kabelbinder und anderes in einen neuen Sinnzusammenhang zu transformieren. Ihre Arbeit ist je nach Ausstellungsort immer wieder neu zusammen setzbar. Sie ist damit sehr zeitgemäss, bietet sie doch ein Gleichnis für das moderne, unstete, sich ständig verändernde, oftmals laute Leben, vielleicht sogar mit einem klugen Hinweis auf die Unverbundenheit des Einzelnen mit weiten Bereichen der Gesellschaft.


Barbara Thüler Hollenstein    Tagwickel (Ausschnitt)


Auffällig und damit durchaus erwähnenswert ist die Tatsache, dass im Gegensatz zur ersten Ausstellung thematisch und gestalterisch sehr viel intensivere Werke zu finden waren. Es war von Erinnerungen, Verletzungen, Gedankenreisen und kostbaren Lebensqualitäten die Rede. Die reine Auseinandersetzung mit grafischen Mitteln stand nicht so sehr im Mittelpunkt. Bei dem Einsatz von Material liess sich eine Tendenz in Richtung Papier beobachten. Aus Fasern geschöpft und flexibel einsetzbar hat es schon seit einiger Zeit seinen Platz im textilen Bereich gefunden. Mixed Media findet sich in ganz vielen Arbeiten. Die Filzkunst scheint auf dem Weg zu sein, dort für sich neue Ausdrucksmöglichkeiten zu entdecken. Die klassische Tapisserie war mit zwei gegensätzlichen Positionen vertreten. Anklänge an die Natur wurden gekonnt u.a. in Strickarbeiten, aber auch in Applikationen umgesetzt.


Conny Wepfer     Körperlandschaften


Vivi Linnemann    MISS


Von Besuchern und Künstlerinnen wurde gleichermassen die feinfühlige und jedem Werk gerecht werdende Hängung bescheinigt. Das ist in diesem alten Haus mit seiner Geschichte und seinen ausdrucksstarken Räumen ein besondere Herausforderung.


Anna Affolter    Marianny



Anna Affolter    Elisabeth


TAFch ist in jeder Hinsicht mit dieser Werkschau zufrieden. Was sie besonders erfreut hat, waren die Verkäufe von einem Fünftel der ausgestellten Werke. Auch das ist nicht die Regel sondern eher die Ausnahme im Kunstgeschehen.


Rosemarie Artmann-Graf     Ond Nägeli dezue...

Christine Matthey    Un drapeau suisse


Mit der textilen Geschichte kamen wir ebenfalls hautnah in Berührung. Die Künstlerin Rosemarie Baschung-von Rohr stellte sich vor, in der Hand einen Katalog von einer Ausstellung aus dem Jahr 1993, mit dem Titel „Tendenzen textiler Kunst“ mit Schweizer Kunstschaffenden ebenfalls im damals noch so genannten alten Kunsthaus Zug, heute die Altstadthalle. Sie hat 15 Künstlerinnen in dieser Ausstellung gezeigt, u.a. Lissy Funk, der bedeutenden Stickerin aus der Schweiz. Es soll aus dem Vorwort des Katalogs zitiert werden, das deutlich macht, wo sich auch nach 25 Jahren noch ähnliche Problemstellungen zeigen:



Die spannende Begegnung von uns TAF Frauen mit der Textilkünstlerin Rosemarie Baschung-von Rohr

Vergangenheit verbindet sich mit der Gegenwart und schaut zusammen in die Zukunft......



Noch immer ist die Integration der freien textilen Gestaltung in einem ganzheitlichen Kunstbegriff eine Wunschvorstellung. Das Schaffen mit Fasern, die sich verweben, verknüpfen, umwickeln, spannen lassen, das An-, In- oder Übereinanderfügen von genähten, geklebten oder sonst wie verbundenen Stoffen gilt in der Kunstgeschichte zu Unrecht als wenig relevant. Die Gründe dafür sind komplex; sie haben unter anderem mit der Zuordnung des Textilen zum traditionell Weiblichen (und damit zum Unmännlichen) zu tun. Diese emotionale Struktur verunmöglicht es heute paradoxerweise sowohl vielen Männern wie Frauen, sich offen auf die faszinierenden Qualitäten und Eigenheiten eines freien Umgangs mit textilem oder textilähnlichem Material einzulassen. Die latente Abwehr behindert den Blick auf die enormen Entwicklungen, die sich in den letzten 20 bis 30 Jahren innerhalb der textilen Kunst vollzogen haben. Und sie verhindert eine anerkannte analytische Auseinandersetzung mit der Wesensart der textilen Kunst, auch der Frage, warum sich immer noch, mit Ausnahme von Japan, vor allem Künstlerinnen damit beschäftigen. Eine der wichtigen Beobachtungen, die sich beim intensiven Studium der zeitgenössischen Kunst von Frauen einstellt, ist ihr besonderer Umgang mit Materialien, welcher Art auch immer. Künstlerinnen verstehen die Stoffe, mit denen sie arbeiten vielfach als Gesprächspartnerinnen. Das heisst, ihr Ziel ist es nicht, sich Werkmaterial gefügig zu machen, sie ausschliesslich dem menschlichen Gestaltungswillen unterzuordnen, sondern zu einem Gleichgewicht zu gelangen, in dem Werkstoffe und die künstlerische Vorstellung eine Synthese eingehen...
Textilkunst ist nicht nur Form (eventuell Volumen) und Farbe - die klassischen Komponenten von Malerei und Skulptur -, sondern immer Form, Farbe und Material. Nur diese Dreiheit umfasst das Ganze… 
Und die Frage, ob es sinnvoll sei, Textilkunst im Ghetto ihrer Techniken zu zeigen, muss gestellt werden. Sie muss aber angesichts der Realität der Kunstszene und des gemeinsamen, berechtigten Anliegens, textiles Schaffen als künstlerische Kraft zur Diskussion zu stellen, gleichzeitig (noch) bejaht werden.