Freitag, 2. Oktober 2015

"alla breve"

von Judith Mundwiler

Erinnern Sie sich noch an meinem Blog-Beitrag vom 23. Januar?


"Pssst" hiess damals dieses Projekt. Und zwar aus dem Grund, Weil es eine Geheimaktion war!
Die langjährige Fachexpertin Textiles Gestalten und frühere Inspektorin vom Kanton Baselstadt, Liselotte Weller, wurde diesen Sommer pensioniert. Sie hat sich während vielen Jahren für das Textile Werken in der Schule eingesetzt und ihre ganze Energie daran gesetzt, dass dieses wichtige Fach nicht ganz aus den Stundentafeln gestrichen wurde! Gehört doch das Textile Werken und Gestalten zur Grundschulung der Kinder!!! Daraus entfalten sich auch später viele kreative Menschen, die dann auch das Textile in der Kunst weiterziehen.
(Und es gäbe hier noch ganz viele Argumente, die anzufügen wären, um für diesen wichtigen Unterrichtsteil einzustehen, aber das sprengt im Moment den Rahmen von meinem Blogbeitrag)
Seit vielen Jahren unterrichte ich Textillehrkräfte am Pädagogischen Zentrum Basel. Liselotte hat immer meine Kurse organisiert und mitgetragen. Auch war sie zu meiner Ausbildungszeit meine Praktikunslehrerin. So ist eine freundschaftliche Verbindung entstanden und es war mir ein Anliegen, dass sie ein tolles Abschlussgeschenk bekommt.

Ich habe zusammen mit meiner Kollegin Maja Bringold (Leiterin vom Fachzentrum Gestalten, Basel) ein Projekt ausgearbeitet, an welchem schlussendlich über fünfzig Lehrkräfte beteiligt waren.
Meine Idee war, nicht einfach ein Gemeinschaftsbild für Liselotte zu kreieren, sondern es sollte etwas Besonderes werden. Und es mussten ja diese vielen Hände mitarbeiten können, um am Schluss ein Grosses Ganzes zu bekommen.








Kennen sie den Ausdruck "Breverl"?
Das sind kleine, faltbare Schutzbriefe, die um 1635 vor allem in Oberösterreich und Süddeutschland Verbreitung fanden.

Aus Wikipedia: "Ein Breverl (auch Breve, Breferl oder Heiltumstäschchen) ist ein mit Heiligenbildern, Sinnsprüchen, Gebeten oder Bibelversen versehener Faltzettel, der als Talisman und Heilmittel diente und bis ins 20. Jahrhundert verbreitet war.
Beim Breverl handelte es sich um einen meist vierfach gefalteten kleinen Zettel, auf dem ein neunteiliger Kupferstich abgebildet war. Breverl wurden oftmals in einem kleinen, verschlossenen Kissen oder Polster aufbewahrt, das aus kostbaren, häufig bestickten Stoffresten wie Brokat gearbeitet war. Einige Etuis für Brever bestanden aus beschlagenem Leder oder anderen Materialien. Auf der Außenseite konnte auch ein Bildchen, oft aus einem Bogen mit Schluckbildchen, angebracht sein. Manche Heiltumstäschchen waren herzförmig und als so genannte „Tüfelsjägerli“ für die Wiege oder das Bett kleiner Kinder bestimmt."


Weitere Links zum Thema "Breverl":
Bilder in Google hier.
Weitere Infos hier.

Aus "Pssst" wurde "alla breve": Der Projekttitel war "alla breve", weil Liselotte nebenbei auch Musikerin ist und das Wort "Breverl" darin verborgen ist.

Meine Idee war folgende: Die Hälfte der Teilnehmenden kreieren ein Collage-Quadrat in  den Lieblingsfarben von Liselotte. Die andere Hälfte der Frauen bestickt diese Quadrate und schreibt einen Zettel mit einem Wunsch oder einem Gedanken an die Beschenkte, der in Die Stickerie einbezogen wird. Zum Teil wurden kleine Papierröllchen eingenäht, oder Zettelchen gefaltet und in eine kleine Tasche geschoben auf dem Quadrat. Oder es wurden sogar einzlene Wünsche auf Papier eingenäht, sodass die Beschenkte den Wunsch nicht lesen kann, aber er ist ja trotzdem da und entfaltet hoffentlich seine Wirkung!










Das spezielle am Ganzen Vorgang war, dass immer zwei oder mehrere Frauen an einem Quadrat gearbeitet haben. Es hat einigen Mühe bereitet, dass sie nicht ihr eigenes Quadrat bis zum Schluss gestalten konnten. Aber es war eine sehr gute Erfahrung für alle....loslassen können....sich in eine Gemeinschaftsarbeit hineingeben können, ohne als Einzelperson nachher erkennbar zu sein!





Die beiden Initiantinnen: Maja Bringold und Judith Mundwiler



Ich habe dann alle fertigen Quadrate auf einen bemalten Hintergrundstoff genäht, mit Goldfaden.



Das Objekt sollte faltbar sein, in verschiedene Grössen und Fromaten....zum hinstellen....hinlegen....oder es kann nun auch als ganzes Bild aufgehängt werden.

Ende Juni war dann die Übergabe im Fachzentrum Basel in einem feierlichen Rahmen.
Viele anwesende Frauen waren zu Tränen gerührt. Einerseits wegen dem Abschied von Liselotte, andrerseits über das Resultat von dieser wunderbaren Zusammenarbeit mit so viel Frauenpower!!!




Die Idee von den faltbaren Bildern haben Gebi Mett und ich schon letztes Jahr umgesetzt für unsere Ausstellung in Birmingham. Damals stellte sich die Frage, wie wir am besten unsere Werke im Fluggepäck transportieren. Da wir oft mit Papier  arbeiten, kam zusammenrollen nicht in Frage, das würde die Flächen zerknittern.
So hatten wir damals dieses Problem bei unseren Werken in dieser Art vom Zusammenfalten gelöst.


Kommentare:

  1. Liebe Judith, welch ein tolles Geschenk hast du da auf den Weg gebracht. So viele Hände sind fleißig gewesen und haben viele schöne Dinge zusammengebracht. Das war sicher für alle Beteiligten eine schöne Aktion und für Frau Weller ein unvergesslicher Tag. Danke, dass wir ein klein wenig daran teilhaben durften. Herzliche Grüße Anette

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  2. Diese Breverl sind sehr interessant! Wie ein Buch, flach aber doch ein dreidimensionales "Skulptur". Eure Gruppenarbeit ist wunderschön geworden.

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