Freitag, 9. Februar 2018

Bakuba in Weil am Rhein (D)


von Grietje van der Veen

Weil am Rhein war seit 1880 ein blühendes Zentrum der Textilindustrie. Mehrere Färbereien und eine Seidenweberei befanden sich in verschiedenen Teilen der Ortschaft. 1982 mussten die letzten schliessen, wie überall in Westeuropa. Geblieben ist das Kesselhaus, in dem sich heute ein multikulturelles Zentrum für Theater, Kabarett und kreative Workshops etabliert hat. In den Werkstattgebäuden haben sich aber auch sonstige Industriebetriebe angesiedelt. Auch ein Café befindet sich in einem der alten Gebäuden. Leider ist es sonntags geschlossen.

Teil des Komplexes ist auch das Museum Weiler Textilgeschichte. Das Museum ist nur jeweils am ersten Sonntag des Monats am Nachmittag geöffnet. Zwei nette ältere Herren betreuen die Besucher und werden nicht müde, alle deren Fragen zu beantworten. Das kleine Museum besteht aus zwei Räumen, der ehemaligen Schlosserei und der Schreinerei. Im letzteren liegen dicke textile Musterbücher auf, in denen die Besucher blättern dürfen. Zum Schutz der Bücher liegen viele Stoffhandschuhe bereit.

Letzten Sonntag besuchten Ursula Suter und ich gemeinsam mit Isabelle Wiessler, unserem neuen TAFch-Mitglied, das Museum. (Isabelle wird übrigens bald einen eigenen Blogbeitrag schreiben.) In der früheren Schreinerei hängen auch die textilen Werke, für die wir gekommen waren: eine kleine, aber feine Kollektion von Bakuba Webstücken.

Der Sammler. Photo: Badische Zeitung vom 04.12.2017
Die Sammlung gehört Karl-Heinz Niechoj, der lange in Afrika lebte und seine Kollektion aufzubauen begann, nachdem er eher zufällig ein Bakubawebstück vom Boden auflas.

In einem Interview in der Badischen Zeitung vom 04.12.2017 verriet er auf die Frage, wie er dazu kam, Bakubastücke zu sammeln:

„ Das war ein Zufall. 1994 war ich mit Freunden in Namibia. Als wir über den Markt liefen, sah ich einen Stofflappen auf dem Boden im Staub. Neugierig hob ich ihn auf und war sofort fasziniert. Meine Freunde belächelten das, aber ich fühlte mich sofort an Paul Klee erinnert. Zuhause rahmte ich das Webstück als Bild. Später entdeckte ich ein Buch, das mich in die Welt dieser Textilien einführte. Weitere Literatur und Museumsbesuche ließen mich die Vielfalt, die Besonderheit und Schönheit dieser Textilien schätzen und lieben. Später erfuhr ich, dass Klee einige Raphiamatten besaß.“
(…)
„Ausgestellt ist nur ein Teil meiner Sammlung, bei der Auswahl der Stücke habe ich darauf geachtet, dass die verschiedenen Formen vertreten sind.“ Auf die Frage der Journalistin, was ihn so reizt an diesen Textilien, antwortete er: „Unglaublich finde ich es, dass die Stickereien auf der Rückseite nicht sichtbar sind. Auch haptisch sind sie unterschiedlich. Jedes Stück fühlt sich anders an, manche sind dünn und weich, andere fast lederartig hart. Die Motive sind ebenfalls etwas Besonderes. Sie sind ausgesprochen geometrisch: Waagerechte und senkrechte Linien gliedern die Fläche. Zentrale Bedeutung hat dabei der rechte Winkel. Kreisförmige Motive sieht man dagegen kaum.“
(...)

"Zur Person: Karl-Heinz Niechoj (76) war Lehrer am Kant-Gymnasium und seit 1996 sechs Jahre Leiter der Deutschen Auslandsschule in Namibia. Danach lebte er bis 2016 im Südenvon Kapstadt."
 
Info des Museums








Braucht man grössere Stücke, wie z.B. Umhänge, werden sie einfach zusammengenäht. Das Weben ist Männersache. Die nachträglichen Stickereien werden von den Frauen ausgeführt. Die Farbgebung der Fäden durch «Tye-Dyeing» wird entweder vor oder nach dem Sticken ausgeführt.




Rechts: Hufttuch/Überrock für höherstehende Frauen. Der Mittelteil ist aus zwei farblich leicht unerschiedlichen Teilen zusammengesetzt

Bordüre  des oben gezeigten Hufttuchs aus schwarzem Raphia-Velour.





Musterzeichnung
 


Ein Stuhl, dessen Rückseite die geometrischen Muster zeigt
Es ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dass viele moderne Künstler von den Mustern der Bakuba inspiriert worden sind, so Pablo Picasso, Gustav Klimt und Paul Klee.

Hier einige Werke, die auf Bakubawebsel zurückgehen könnten.

Paul Klee:
Von Gustav Klimt ist bekannt, dass er eine nicht unbeträchtliche Sammlung von Bakubastücke besass. Hier einige seine Bilder:

Die Scherenschnitte von Henri Matisse
Die Bilder von Klee, Klimt und Matisse habe ich aus folgenden Büchern kopiert:
- Denys Chevalier: Paul Klee, 1991, S. 21 und 56.
- Christian Geelhaar: Paul Klee, Leben und Werk, 1977, S. 92
- Susanne Partsch: Klimt, Leben und Werk, Verlagsgesellschaft International Publishing GmbH, 1990. S. 123, 201 und 211
- Gilles Néret: Henri Matiss - Scherenschnitte, Benedikt Taschenverlag 1994, S. 51 und 76-77

Das Museum zeigt die Werke noch bis zum 01.07.2018

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