Freitag, 1. Mai 2015

Transferdruck auf synthetischen Stoffen

von Grietje van der Veen

Synthetische Stoffe nehmen herkömmliche Färbemittel wie Stoffmalfarben oder Procion nicht an. Transferfarben – auch Bügelfarben genannt – sind das Mittel der Wahl. Sie ergeben ganz tolle Resultate, und es macht unheimlich viel Spass, den Stoffen einen neuen Look zu verpassen.

Transferdruck wird manchmal auch Malbügeln genannt. Die Methode ist denkbar einfach und auch für kleine Kinder geeignet.

Weil die Motive zuerst auf Papier oder sonstiges nichtsaugendes Material gemalt und erst danach auf Stoff übertragen werden, ist die Gefahr von Stoffverschwendung wegen nicht gelungener Zeichnungen gering. Es nimmt die Hemmung, auf weissem, unbemaltem Stoff den ersten Pinselstrich zu setzen, vor allem, wenn man schon fertig gekaufte T-Shirts, Jacken oder Blusen neu ausgestalten möchte. Die neu entstandenen Stoffe sind waschecht und bluten nicht aus.

Folgende Materialien braucht es:

• Stoffe mit einem Polyesteranteil von mindestens 60%, auch synthetische Spitzen, Polyestersamt, Gardinen, Lutradur, etc.
• Bügelfarben, auch als Transferfarben bekannt
• Pinsel, Schwämme, Zerstäuber

Vor dem Gebrauch die Flaschen gut schütteln und die Farben bei Bedarf mischen. Auf dem Papier erscheinen die Farben relativ stumpf, nach der Übertragung auf den Stoff jedoch leuchten sie brillant. Je höher der Polyesteranteil im Stoff ist, umso leuchtender sind sie. Beachten Sie bitte, dass die Motive spiegelverkehrt auf dem Stoff erscheinen. Was an und für sich nicht stört, es sei denn, man möchte einen Text drucken. Bei transparenten Stoffen ergibt sich das Problem nicht. Man dreht den Stoff einfach um und nimmt die Rück- als Vorderseite.Nach dem Trocknen wird das Gemalte mit dem Bügeleisen (Stufe Baumwolle ohne Dampf) auf den Stoff übertragen. Zum Schutz des Bügeleisens und der Bügelunterlage werden Stoff und Papier zwischen Backpapier gelegt - das Papier mit der bemalten Seite gegen den Stoff. Nach ca. einer Minute Bügeln nachschauen, wie intensiv die Farben auf dem Stoff erscheinen. Dazu wird eine Hand fest auf das «Sandwich» gelegt, damit es sich nicht verschiebt, und eine Ecke vorsichtig hochgehoben. Wenn Pastellfarben erwünscht sind, nur kurz übertragen. Für kräftige Farben einfach länger bügeln. Aber aufpassen, dass der Stoff wegen der Hitze nicht beschädigt wird. Die Motive können mehrmals auf verschiedene Stoffe übertragen werden, erscheinen aber mit jedem Bügeln blasser.

Getrocknete Blätter wurden mir Transferfarben angemalt, umgekehrt auf den Stoff gelegt und zwischen Backpapier gebügelt.
An einem dunklen Ort können die Papiere monate- wenn nicht jahrelang aufbewahrt werden und verlieren trotzdem nichts von ihrer Übertragungsfähigkeit.
Der Hintergrund wurde übertragen mit einem Blatt, dass schon vor mindestens 5 Jahren gemalt wurde.
Zur Motivgestaltung: Mittels Pinseln, Tupfen oder Spritzen werden Motive auf das Papier aufgetragen. Sehr hübsch ist der Einsatz von Tortendeckchen, sowohl als Stempel als auch als Schablone, was natürlich mit jeder selbstgestalteten Form möglich ist. Nach dem Trocknen kann man Motive ausschneiden oder reissen, oder das ganze Blatt wird ganz übertragen. Auch Gräser, Blätter oder Federn kann man färben, auf Papier transferieren oder ohne diesen Umweg direkt auf den Stoff bügeln. Endlos viele Möglichkeiten ergeben sich, wenn mehrere Hintergründe und Motive separat gemalt und dann in verschiedenen Kombinationen und in mehreren Schichten auf den Stoff übertragen werden.
Hier zwei verschiedene Motive, die auch wiedeer anderweitig verwendet werden können.
Zusatzeffekte ergeben farbige oder gemusterte Stoffe. Zur Weiterverarbeitung können die Stoffe bestickt, mit Fundstücken verziert oder zu Collagen verarbeitet werden.
Die Blume war eine Zugabe des bedruckten Stoffes.
Ein dramatischer Mondhimmel. Zwischen bemaltem Blatt und dem Stoff wurde ein kreisförmiges Stückchen Papier gelegt.
Die hier beschriebene Methode eignet sich fürs Aquarellmalen. Will man feine, scharf abgegrenzte Strukturen malen oder mit einem Sieb arbeiten, empfiehlt es sich, die wässrigen Farben zu verdicken.

Noch etwas zu den Transfer- oder Bügelfarben: Es gibt sie im Handel in flüssiger Form (Deka) in Fläschchen zu 25 ml. Die Farbpalette (11 Farben) enthält aber für meinen Geschmack einen überproportional grossen Anteil von verschiedenen Rottönen.

Wenn man mehr oder öfters Transferbilder machen möchte, empfehlen sich Farben in Pulverform. Sowohl zum Mischen der Farben als auch zum Verdicken sind grössere Mengen einfacher zu handhaben. Mit den Grundfarben Rot, Gelb und Blau, sowie Schwarz lassen sich unzählige Farbtöne mischen. In meinem Internetshop HIER biete ich die drei Grundfarben und Schwarz in Pulverform in Containern zu 57 g an. Auch Verdicker gibt es bei mir zu kaufen. Ausländische InteressentInnen kontaktieren mich bitte per e-mail HIER.


Wenn Sie die Methode ausprobieren möchten: Viel Spass!

 

Kommentare:

  1. Liebe Grietje, herzlichen Dank für den Hinweis auf diese schöne Technik. Ausprobiert habe ich es auch schon und bin mir nicht sicher, ob die Farben auch so lange halten? Es sind aufgelöste Pulerfarben, die ich in Marmeladengläsern gelagert habe, dunkel in einem Karton. Beim letzten Gebrauch schienen sie mir nicht mehr so effektvoll. Hast du Erfahrungen damit? Auf alle Fälle macht der schöne Beitrag mit den tollen Fotos Lust, es wieder mal zu probieren. Danke fürs Erinnern. Herzliche Grüße Anette

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Annette, Ich habe noch ein paar Reste Farbpulver in einigen Containern, die schon etliche Jahre alt sind.
    ich werde sie ausprobieren und dir das Resultat bald mitteilen.
    Grüsse
    Grietje

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Grietje, ich habe mich vielleicht nicht richtig ausgedrückt? Meine Farben sind schon aufgelöst und seit langer Zeit in Marmeladengläsern mit Schraubverschluss im Schrank verstaut. Also keinerlei Helligkeit, aber Temperaturschwankungen von heiß zu kalt und eben schon sehr lange nicht mehr benutzt. Vor ca.1Jahr habe ich noch mal versucht, mit ihnen etwas anzufangen, was aber nicht so von Erfolg gekrönt war. Vielleicht habe ich aber auch einfach nicht den richtigen Stoff dafür genommen, kann ja auch sein. Deshalb meine Frage, ob du mir über die Haltbarkeit von aufgelösten Farben etwas sagen kannst? Danke für deine Hilfe! Liebe Grüße Anette

    AntwortenLöschen