Freitag, 14. Februar 2014

teximus und anderes



von Grietje van der Veen

Die Vorbereitungen für die teximus-Ausstellung gedeihen, und alles läuft nach Plan. Ist Ihnen aufgefallen, dass der ursprüngliche Titel sich leicht gewandelt hat? Auf dem Cover des Katalogs prangt nun die Bezeichnung „teximus 1“, was impliziert, dass noch weitere folgen könn(t)en.

Kann es sein, dass unsere Ausstellung zur richtigen Zeit kommt? Etliche Kunstmuseen in Europa zeigen zurzeit Textilkunst und die Reaktion der Presse fällt durchaus positiv aus. Bis dato schien Textiles ausschliesslich den Textil- oder Völkerkundemuseen vorbehalten zu sein. Jetzt aber zeigt Das Kunstmuseum Wolfsburg „Kunst & Textil“. Diese Ausstellung wird ab Ende März in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen sein. Sie steht schon in meinem Kalender.

Das Museum Bellerive in Zürich stellte von September 2013 bis Januar 2014 unter dem Titel „Im Rech der Falten“ rund einhundert Modelle prominenter japanischer Modedesigner aus den Jahren 1975 bis 2013 aus.

Ebenfalls in Zürich zeigt das Museum Rietberg noch bis zum13. April 2014 indische Textilkunst in Form von grossformatigen Tüchern, die zu Ehren hinduistischer Göttinnen angefertigt wurden. Titel der Ausstellung: „Himmelszelte für die Göttin“.

Das Museum Abteiberg in Mönchengladbach zeigte 2013 im Rahmen eins mehrjähriges Rechercheprojekts „TEXTILES: OPEN LETTER“. Die Beweggründe dieser Ausstellung wird auf der Museumswebsite so dargestellt: „Die Ausstellung geht der Frage nach, wie Textilien aufgrund ihres Formenvokabulars, ihrer Materialität und Kulturgeschichte sowohl historisch als auch aktuell eine künstlerische Sprache und Forschung mit geformt haben und vice versa Textilien und „Textilkunst“ in einer engen Beziehung zu formalen und konzeptuellen Fragestellungen in der Bildenden Kunst stehen und sich entlang dieser entwickelten.“

Im Musée d’Art moderne de la Ville de Paris ist gerade die Ausstellung „Decorum“ zu Ende gegangen, in der über hundert Teppiche und Tapisserien zu bewundern waren, u.a. von Ferdinand Léger, Picasso und Dewar & Gicquel.

An Interesse für Textil scheint es also zurzeit nicht zu mangeln.


Nun aber zurück zu TAFch:
Mir geht es wie Gabi. Seitdem ich mit der Pressearbeit – und sonstigen Kleinigkeiten, der Ausstellung betreffend – begonnen habe, ist Kreativität ein Fremdwort.

Zurzeit beschäftige ich mich wieder mit Shibori, färbe und überfärbe mit verschiedenen Medien. Während ich in meinem Stapel selbstgefärbter Stoffe kramte, fiel mir ein Stück in die Hände, das ich letztes Jahr ausprobiert, aber später nicht weiterverfolgt hatte. Nun wollte ich es nochmals versuchen: Färben mit Farbpulver und Eiswürfeln.


Das erste Batch färbte ich in einer Alluminiumschüssel und verwendete viele Farben, u.a. Magenta. Als ich die Stücke nach dem Färbeprozess aus der Schüssel nahm, fiel mir auf, dass Magenta ausserordentlich aggressiv ist und die anderen Farben weitgehend verdrängt. Beim zweiten Batch wollte ich rechtzeitig eingreifen, und so färbte ich die Stoffe in einer grossen Glasvase (allerdings ohne Magenta), damit ich den Prozess beobachten kann.


Circa. alle zwei Stunden habe ich ein Foto gemacht. Durch das Glas hindurch kann man beobachten, wie die Farbe sich ganz langsam ausbreitet, während die Eiswürfel schmelzen. An einigen Stellen entstehen Löcher, nachdem das Eis geschmolzen ist. Die ganze Prozedur dauert ca. 24 Stunden, aber das Warten lohnt sich.



Kurz nach dem Einfüllen der Stoffe



Nach vier Stunden

Nach sechs Stunden

Nach 20 Stunden

Die Stücke sind aufregend schön und eignen sich wunderbar für kleine Werke. Geht man mit einem Passepartout über den Stoff, beginnt die Fantasie zu spielen. So habe ich einen halben vergnüglichen Abend mit einer Freundin verbracht, während wir uns überboten in dem, was wir entdeckten: Blumen, Gärten, Fische, Affen, einen Teich, einen Tennisschläger – oder ist es eher eine Bratpfanne?








Eine ziemlich wilde Sache. Was das wohl werden soll?



Ein Versuch mit selbsgefärbtem Hintergrund




Was ich an dieser Methode so interessant finde, ist dass die Farben dazu neigen sich zu trennen. Auch die scharfe Umrandung der Farben finde ich bemerkenswert. Und das viele Weiss lädt dazu ein, weiter bearbeitet zu werden.

Jetzt habe ich einige kleine Stücke ausgeschnitten und werde sie nach und nach weiter verarbeiten: bedrucken, mit der Maschine und/oder von Hand besticken, zu Collagen zusammenfügen, etc. Also kann ich trotz allem ein wenig kreativ sein, ohne dass ich dazu zuviel Zeit benötige.






Kommentare:

  1. Kommt mir bekannt vor - gratuliere Grietje, es ist eine tolle Beschreibung einer interessanten Technik, die ich ja auch nur von Dir kenne!
    Maja

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  2. Welch schöne Stoffe!!! Und welch interessante Art zu färben. Leider bin ich auf diesem Gebiet noch ziemlich unbedarft. Aber das kann sich ja noch ändern.Vielen Dank fürs Zeigen!LG Anette

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  3. Martina hatte recht mit ihrem Kommentar "ich sehe, was du nicht siehst". Die Betrachterin der Stoffe wird zur Künstlerin, indem sie sie für sich interpretiert. Es freut mich, dass euch die Stoffe gefallen.

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  4. Liebe Grietje,

    die Stoffe sind toll und spannender als mancher Krimi. Ich glaube ich muss mal meinen Eisschrank aufräumen.
    Gruß Myriam

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