Freitag, 10. Januar 2014

Rückblicke


von Cécile Trentini

Das alte Jahr ist zu Ende gegangen – das neue Jahr hat frisch begonnen: es ist die Zeit in der man gerne vergangene Monate Revue passieren lässt und gute Vorsätze für die kommenden Monate fasst. Schaue ich auf mein persönliches 2013 zurück, so liegt ein ereignisreiches Jahr hinter mir:

mit der Veröffentlichung meines Buches



einer grossen Ausstellung an der Nadelwelt in Karlsruhe


vielen spannenden Begegnungen mit Kursteilnehmerinnen in England, Deutschland und der Schweiz

Hier im Textilstudio Speyer

und natürlich dem krönenden Abschluss: die Ausstellung in der Art Quilt Gallery in New York!



Auch die künstlerische Arbeit war sehr intensiv. Ich habe weiter an meinen Serien gearbeitet:

Die "Circonvolutions"


Ausschnitte aus "C7 - Nocturne", "Daily Circonvolutions", "C9 - Polymere Adventure und "C8 - Midnight Jungle"



Die Serie "Alltag" mit Alltags-Materialien, zum Beispiel


"Coffee-Break" (Kaffeefilter), "Tea Party" (Teebeutel) und "Ephemeral Delight" (Backpapier Förmchen für Cupcakes)

Und es sind auch wieder ein paar Serien von Miniaturen entstanden aus den Resten von grösseren Arbeiten.

Nr. 88, Too Many Titles, 17 x 20 cm
Nr. 89, Lucky Number, 20 x 12 cm
Nr. 90, Land of Plenty, 14,5 cm x 25,5 cm


Da ich diesen Monat mit meinem Atelier umziehe (siehe Wordless Wednesday), geht der Rückblick diesmal auch noch einiges weiter zurück: was da alles zum Vorschein kommt!

Einen ersten Anlauf in Serie zu arbeiten nahm ich vor einigen Jahren: ich wollte mich eine ganze Weile nur mit den Farben schwarz, rot und weiss und dem Quadrat beschäftigen und im immer gleichen Endformat arbeiten. Es reizte mich, die Möglichkeiten auszuloten, die die Reduktion der Gestaltungsmittel hervorbringen würde. Zwei Varianten habe ich tatsächlich realisiert


Schwarz-rot-weiss Quadratvariationen I, je 28 x 112 cm, 2007



Schwarz-rot-weiss Quadratvariationen II, je 28 x 112 cm, 2007

Geplant war, 50 schwarz-rot-weisse Bahnen zu gestalten (das klingt nach viel, entspricht letztlich aber nur ca. 10 Varianten, da jede aus mindestens 3 Bahnen bestanden hätte). Notierte Ideen, Skizzen, Entwürfe und Material…

… alles ist noch da – aber (man beachte die Jahreszahl!) da ist wohl ein bisschen was dazwischen gekommen… nur das Projekt ganz aufzugeben und die gesammelten Stoffschnipsel und Fäden entweder anderweitig zu verarbeiten oder wegzuwerfen, dazu konnte ich mich offensichtlich nicht durchringen. Ob die jetzt wohl im Umzugskarton oder im Mülleimer gelandet sind?

Ein noch älteres Projekt ist ebenfalls wieder zum Vorschein gekommen und auch hier ist es ein Thema, das später wieder auftauchte und mich eigentlich auch heute noch fasziniert: regelmässige Strukturen, Makroansicht, Verfremdung.

Ich untersuchte die Strukturen von Geweben und Strickwaren, diese wurden so extrem vergrössert, dass unscharfe Konturen entstanden, die ich dann neu definieren musste, wodurch teilweise eine Verzerrung, auf jeden Fall eine Verfremdung bis zum Unkenntlichen entstand.



Diese Strukturen wurden dann kopiert und Entwurfsvarianten ausprobiert.



Damals war ich noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen. Wollte ich etwas fotografieren und das Ergebnis gleich anschauen können, bot die Polaroid-Kamera gute Dienste…

Sogar Farbstudien habe ich noch gefunden



Aber ich habe nie einen Quilt aufgrund dieser Skizzen und Entwürfe realisiert. Eigentlich schade.

Dies sind nur zwei Beispiel aus den vielen wertvollen und weniger wertvollen Schätzen, die ich in den hintersten Ecken von Schubladen und Regalen gefunden habe... Eine richtige Zeitreise, so ein Umzug!
Interessant ist, wie, rückblickend, gewisse Themen manchmal schon lange da sind, auch wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt anders ausgeführt werden.

Bei den "Circonvolutions" sind die Gestaltungsmittel noch stärker reduziert als beim rot-schwarz-weiss Projekt, da gibt es nur die Linie und die Farbe; und das Arbeiten nach bestimmten Spielregeln taucht bei den Miniaturen wieder auf. Auch zum Thema Strukturen habe ich tatsächlich einen Quilt gestaltet (ausgehend vom Querschnitt einer Aluminiumschaum-Probe), den ich hoffnungsvoll Makro I nannte

Makro I, 67 x 113 cm ,2011

Leider ist die "Serie" bisher nicht weiter gediehen; aber das Thema fasziniert mich nach wie vor (wie die unzähligen aus Zeitungen und Zeitschriften gesammelten Bilder und eigene Fotos beweisen, die ich an verschiedenen Orten im Atelier gefunden habe und die nun auch in einer Bananen-Schachtel verstaut sind) und es ist gut möglich, dass ich es wieder einmal aufgreife.

Zum Thema Rückblick möchte ich noch von der Erfahrung meiner TAF Kollegin Gabi Mett berichten, von der sie mir erzählt hat: Vor einigen Jahren hat Gabi ganz bewusst Rückschau auf ihre Arbeiten gehalten und sich Gedanken darüber gemacht, welche ihr nachhaltig gefallen, welche Gemeinsamkeiten es gibt, was im Nachhinein vielleicht nicht mehr überzeugend ist (korrigiere mich Gabi, wenn ich das nicht korrekt widergebe). Dabei ist ihr aufgefallen, dass sie immer wieder in rot und weiß und auch schwarz gearbeitet hat und dass ihr diese Arbeiten gut gefielen. Und, in Gabis eigenen Worten: "weil sie mir besonders gut gefielen, habe ich gedacht, dann mach doch da weiter" und seitdem arbeitet sie fast ausschliesslich in rot, weiss und auch schwarz.

Einige dieser Arbeiten und Detailaufnahmen von vielen weiteren hat sie nun in einem kleinen Katalog (32 Seiten) zusammengefasst







Das Büchlein ist mit seiner zurückhaltend eleganten Gestaltung an sich schon ein Genuss fürs Auge, erst recht die gezeigten Arbeiten! Die kurzen Texte geben einen spannenden Einblick in die Entstehungsgeschichten der Werke und die Gedanken der Künstlerin. 
(Der Katalog kann für 14 Euros inl. Versandkosten direkt bei Gabi Mett bezogen werden: Gabi.Mett@t-online.de).

Das Vorgehen von Gabi hat mich fasziniert und beeindruckt und so steht auch zuoberst auf meiner "Gute Vorsätze" Liste für dieses Jahr:


Ab und zu Rückschau halten; sehen, was da ist und dann da weitermachen.


Ich wünsche allen ein gutes, gesundes, erfolgreiches, spannendes und kreatives 2014!

Kommentare:

  1. Wunderbarer Bericht von deinem bewegten Jahr 2013 und noch viele interessante Themen und Wege! Gratuliere, Cecile! Aber wohin zügelst du?

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  2. Liebe Maria
    Ich bin lediglich eine Strasse weitergezogen; mein Atelier ist also immer noch in Zürich-Höngg!
    Liebe Grüsse
    Cécile

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  3. Welch wunderbarer Bericht und eine interessante Rückschau. Mit einem Atelier umziehen? Muss faszinierend sein, wegen der vielen Dinge, die man entdeckt bzw wiederfindet, und auch schwer, sich von dem gewohnten Platz zu lösen? Sicherlich vor allem ganz viel Arbeit. Erinnere ich mich richtig, dass du mal einen Bericht in der Patchwork professional über dein Atelier hattest? Ich war damals soooooo begeistert. Hoffentich ist das neue ebenso schön. Dürfen wir einen Bericht über das neue Studio erwarten? Ich sehe und lese so etwas nur zu gern. Wünsche viel Durchhaltevermögen und Spaß beim Einrichten!
    Herzliche Grüße
    Anette

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