Freitag, 22. November 2013

Piet Mondrian

 eine Ausstellung im Kunstmuseum Basel


von Grietje van der Veen

Niemand hat die Lösung der Mittwochfrage herausgefunden (zumindest nicht zu dem Zeitpunkt als ich diese Zeilen schreibe), was eigentlich nicht verwunderlich ist. Ich wäre auch nicht von alleine draufgekommen.

Trotzdem: Sie alle kennen sicher Piet Mondrian und seine Werke. Seine Boogie-Woogies und rautenförmigen Kompositionen sind ins Allgemeinbewusstsein übergegangen. Die Quadrate und Rechtecke in den Primärfarben Rot, Blau und Gelb, ergänzt mit den Nichtfarben Weiss, Grau und Schwarz und umrahmt von dicken schwarzen Linien bestechen durch ihre Reinheit und Einfachheit. Gerade jetzt ist im Kunstmuseum Basel eine Ausstellung von Piet Mondrian (nach seiner Übersiedlung nach Paris schrieb Piet seinen Nachnahmen nur noch mir einem „a“ statt mit zwei) zusammen mit Dan Flavin und Barnett Newman zu sehen.


Rasterkomposition 7, 1919




Composition C, 1920

Warum ich Ihnen das erzähle? Als ich in den 50er Jahren in den Niederlanden zur Schule ging, hatte ich noch nie etwas von diesem Maler gehört. Weder im Unterricht, noch aus der Zeitung. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Was umso bemerkenswerter ist, als Piet Mondrian im selben Dorf – Winterswijk – von seinem 8. bis 22. Lebensjahr lebte, zur Schule ging und Kunstunterricht erhielt, in dem auch ich zehn Jahre meiner Jugend verbrachte. Ich rätsele jetzt noch über dieses Phänomen. War man damals noch zu sehr mit dem Wiederaufbau des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, dass Kunst als nicht notwendig betrachtet wurde? War man denn gar nicht stolz auf den berühmten ehemaligen Miteinwohner, den Wegbereiter einer neuen abstrakten Kunst? Mindestens 63 Bilder und Zeichnungen aus seiner Winterswijkse Zeit sind erhalten geblieben, hauptsächlich Landschaften. Die zwei am Mittwoch geposteten Bilder stammen aus dieser Zeit. Auf beiden Bildern sieht man die Kirche, in der ich mindestens 500 Stunden meines Lebens verbracht habe (das macht ca. 62 Achtstundentage oder 12,5 Arbeitswochen). Allerdings war es nicht ganz ungefährlich zur Kirche zu gehen. Einmal löste sich ein Dachziegel aus seinem Gefüge hoch über uns und klatschte genau dort aufs Pflaster, wo ich einen Bruchteil von einer Sekunde vorher gestanden hatte. Mein Vater riss mich geistesgegenwärtig rechtzeitig weg. Wäre er nicht so alert gewesen, hätte TAFch ohne mich auskommen müssen.

Wie dem auch sei: auch Mondrian scheint seine Winterswijkse Zeit unbeschadet überstanden zu haben, denn er löste sich bald danach von seinem damaligen Malstil.

Immerhin hat Winterswijk sich inzwischen auf Piet besonnen. 1993 wurde die Stiftung „Mondriaan Winterswijk“ anlässlich seines 50. Todestags ein Jahr später ins Leben gerufen. Die Villa, in der die Familie Mondriaan wohnte, wurde gekauft und als Museum hergerichtet. Seit 2006 gibt es sogar einen „Mondriaan Wandeling (= Spaziergang), der durchs Dorf führt und die Orte, wo Piet Mondriaan gezeichnet und gemalt hat, besucht. Für diejenigen, die Niederländisch können, gebe ich hier die Website-adresse der Mondriaan-Villa: http://www.villamondriaan.nl/.

Ob ich jemals den Spaziergang machen werde? Heute zieht mich nichts mehr zu dem Dorf. Aber die Ausstellung im Basler Kunstmuseum habe ich natürlich gesehen. Arbeiten von Dan Flavin hat Judith Mundwiler schon in einem früheren Beitrag gezeigt. Ich werde hier also nur über den Teil, der von Mondrian handelt, berichten.

Die Ausstellung belegt eindrücklich chronologisch die Entwicklung, die Mondrians Kunst durchmachte. Ich zeige hier einige - nicht alle - Bilder, die ich in der Ausstellung gesehen habe, um Sie ins Kunstmuseum zu locken, falls Sie in der Nähe von Basel wohnen.



Tableau No. 1, mit Rot, Blau, Gelb, Schwarz und Grau 1921-25






Tableau No. 2, mit Schwarz und Grau 1925






Komposition mit Rot, Blau und Gelb, 1930






Komposition mit Doppellinie und Gelb und Blau, 1933





New York City I, 1941 (unvollendet)

Besonders interessant ist das letzte Bild. Es zeigt eine unvollendete Arbeit, bei der die Linien nicht auf den Leinwand gemalt wurden, sondern als Papierstreifen über dem Bild gespannt sind. Die Papierstreifen sind teilweise schadhaft. Man sieht hier auch, dass die Farbe Schwarz verschwunden ist, ebenso wie die farbigen Flächen. Die Papierstreifen überlagern und unterlaufen einander, wobei die gelben die andersfarbigen grösstenteils überlagern. Es ist das erste Bild der New York City Serie, zu der auch die Broadway Boogie-Woogie und Victory Boogie-Woogie (beide 1943-44, letzteres unvollendet) gehören. Diese letzten Bilder Mondrians sind aber nicht in der Ausstellung zu sehen.




Broadway Boogie-Woogie




Victory Boogie Woogie

Im Gegensatz zu den Kompositionen mit den farbigen Flächen sind diese Linien dynamisch durch den Einsatz vieler kleiner Quadrate und Rechtecke in Rot, Gelb und Blau. Zwischen diesen Linien wurden grössere Quadrate und Rechtecke in den gleichen Farben gesetzt. Das ergibt einen mitreissenden temporeichen Rhythmus.






Kommentare:

  1. Danke für diese schönen Bilder, die die Entwicklung des Künstlers gut zeigen.
    Es scheint so einfach, mit "nur" 2 Farben und einigen Linien eine interessante Spannung zu erzielen, ich übe es auch immer wieder, aber das Prinzip "weniger ist mehr" ist manchmal schwierig so zu befolgen, dass das Resultat so meisterhaft erscheint wie im Bild 2, 3 und 4. Vielen Dank für den Anschauungsunterricht!
    Eliane Sch.

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  2. Liebe Eliane,
    Es hat schon Versuche gegeben, die Farben eines Mondrianbildes auszutauschen. Die Wirkung war meistens enttäuschend. Er war schon ein Meister. Unnachahmlich in seiner Art.
    Übrigens dauert die Ausstellung im Kunstmuseum Basel noch bis zum 19. Januar 2014. Das hatte ich vergessen zu erwähnen.
    Liebe Grüsse
    Grietje

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  3. Herzlichen Dank für diesen informativen Bericht. Diese Kehrtwende von Landschaftsbildern zu den grafischen Mustern ist für mich schon erstaunlich. Das wusste ich bisher nicht. Also wieder etwas gelernt. Wie schön, dass es diesen Blog gibt. Weiter so! Liebe Grüße Anette

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  4. Liebe Anette,

    ein Kehrtwende war es bei Piet Mondrian nicht, sondern eine stete Entwicklung, die in einem solchen Rahmen wie dem Blog nur schwer darzustellen ist. Es lohnt sich, auch weiter im Internet oder auch in Büchern zu forschen und diese Entwicklung mit zu verfolgen.

    herzliche Grüße Gabi

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