Freitag, 15. März 2013



Von Grietje van der Veen

Shibori
Wir Textilschaffende sind immer begierig nach neuen Techniken, neuen Werkzeugen und neuen Materialien, seien sie noch so „abwegig“ wie Windeleinlagen, Plastik, rostige Nägel oder Tools wie Lötkolbe und Heissluftföhn. Aber auch althergebrachte Techniken erleben in der Textilkunst immer wieder eine Renaissance und werden modern und individuell interpretiert.
Eine dieser Techniken, die heute immer beliebter werden, ist Shibori, eine jahrhundertealte Reservierungsmethode. Im Gegensatz zu Batik, bei dem Wachs zum Abdecken ausgewählter Stoffstellen verwendet wird, handelt es sich bei Shibori um ein Reserveverfahren, bei dem ungefärbter – oder hell vorgefärbter - Stoff ausschliesslich abgebunden, verknotet, umwickelt, abgenäht oder gefaltet und danach gefärbt wird. Die abgedeckten Stellen bleiben im Farbbad hell und bilden nach Entfernen des Reservierungsmediums schöne Muster. 


Shibori kommt aus dem Japanischen und bedeutet wringen, pressen, drücken. Die Technik wird seit Jahrhunderten auch in anderen Ländern praktiziert, so in vielen asiatischen Ländern, in Afrika und Südamerika. Sie werden dort jedoch anders genannt, und jedes Land hat seine eigenen traditionellen Muster entwickelt, die sich oft von den japanischen unterscheiden.

Bei uns hat die japanische Bezeichnung sich durchgesetzt, während Namen wie „Bandhani“, „Plangi“, oder „Tritik“ hier weitgehend unbekannt sind.
   




Dies ist ein Bandhani aus Indien, hergestellt vom Künstler Mandayamr.
Copyrightfree dem Internet entnommen.




Shibori hatte in der westlichen Welt in den 60er-70er Jahren des letzten Jahrhunderts ein kurzes Hoch, verschwand dann aber wieder mehr oder weniger von der Bildfläche.

Jetzt wird das Interesse an Shibori wieder grösser. Auch ich bin davon fasziniert und beschäftige mich seit längerer Zeit intensiv mit dieser Technik. Ich liebe Shibori, weil ich nicht mit Wachs arbeiten muss. Das mir unendlich vorkommende Ausbügeln des Wachses bereitet mir Rückenschmerzen, die Zeitungsberge, die man dazu braucht, machen mich kribbelig. Obwohl das Entfernen von Garn und Auftrennen von Nähten genauso zeitaufwändig sein kann, ziehe ich diese Methode doch vor. Das Häufchen der entfernten Fäden ist nun mal bedeutend kleiner als der Berg der wachsgetränkten Zeitungen.

Mich reizt an Shibori, dass man nie genau im Voraus sagen kann, wie das Stück nach dem Färben aussieht. Den Stoff nach dem Entfernen des Mediums zu entfalten ist Spannung pur. Ist es gelungen oder eine Enttäuschung? Die Erwartungen sind immer hoch. Bin ich nicht zufrieden, kann ich den Stoff aber weiter bearbeiten, zum Beispiel indem ich ihn nochmals mit derselben oder mit einer anderen Methode reserviere und über- oder entfärbe.

 

Dieser Stoff wurde harmonika-artig vertikal gefaltet und dann mit Garn umwickelt. Nach dem Fixieren der blauen und grünen Farbe habe ich nochmals die gleiche Methode verwendet, aber den Stoff diesmal horizontal gefaltet und mit rot überfärbt. 












Hier brauchte es drei Färbegänge. Zuerst wurde der Stoff zitronengelb und rot vorgefärbt, in einem zweiten Gang mit einer CD reserviert und sonnengelb überfärbt, zum Schluss über ein Rohr fest zusammen geschoben (Beispiel siehe Bild unten) und mit grüner Farbe überpinselt. Letztere Methode ist das allgemein eher bekannte Arashi Shibori.









Ein Seidenschal wurde um ein Rohr gezogen und fest zusammengeschoben. Danach habe ich den Schal mit mehreren dampffixierbaren Farben bepinselt und in Wasserdampf fixiert.






Einige Methoden gehen sehr schnell. Der Stoff wird zum Beispiel nach einem bestimmten Muster gefaltet, umwickelt oder zwischen Gegenständen wie Brettchen oder Latten geklemmt.
Zur Klemmreservierung kann man alles verwenden, was flach ist. Voraussetzung ist, dass die Gegenstände die gleiche Form aufweisen und gleich gross sind.


Länger dauert das Nähen. Mit Vorstichen wird ein Muster genäht und die Fäden am Ende jeder Nählinie abgeschnitten. Wenn alles genäht ist, werden die herabhängenden Fäden fest angezogen und verknotet.  Danach gehts ans Färben. Die so entstandenen Muster sind einfach hinreissend un versüssen nachträglich die Arbeit.
Dieses Stück ist noch nicht fertiggesteltt. Es ist zwar inzwischen gefärbt, muss aber noch bestickt und gequiltet werden.
Die drei Musterstücke oben zeigen, wie viefältig die Nähreservierung sein kann.


Früher wurde hauptsächlich Indigo zum Färben verwendet. Heute gibt es kaum noch die traditionelle natürliche Farbe aus der Indigopflanze. Vor allem in der Textilindustrie wird ausschliesslich synthetisches Indigo zum Färben benutzt (man denke an die beliebten Jeans). Die modernen Shiboriarbeiten erscheinen in allen Farben. Ich selber verwende für Baumwolle Reaktivfarben und für Seide dampffixierbare Seidenfarben. Stoffmalfarben ergeben auch wunderbare Resultate.

Zum Schluss noch ein fertig gestelltes Werk aus Seide und Baumwolle, mit Metallfäden gequiltet.
 

Am 12.-13. Oktober 2013 gebe ich einen Wochenendkurs in Shibori für Anfänger in meinem Kursraum in Oberwil (BL). Es gibt noch freie Plätze.


 





 

Kommentare:

  1. halli hallo,
    ich bin begeistert! das hat mit den t-shirts aus den 70er jahren, die wir abgebunden und dann in einen topf mit batikfarbe geworfen haben, nichts mehr zu tun!
    hast du schon mal probiert, kleine steine oder knöpfe einzubinden? das ergabe lustige punkte-muster. und wenn du alte wäscheknöpfe mit stoffüberzug nimmst, werden die ganz nebenbei mitgefärbt :)
    beste grüsse
    gudrun

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  2. Ich wuerde ja gerne am Kurs teilnehmen.....

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